Geplanter Edeka-Neubau in Löchgau
3. Dezember 2009 | Drucken | Versenden
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Rund 250 Löchgauer kamen zur NEB-Podiumsdiskussion.
Rund 250 Löchgauer kamen zur NEB-Podiumsdiskussion.
Bild: Alfred Drossel
LÖCHGAU

Gemeinsam nach einer guten Lösung suchen

Viele Fragen hatten die Löchgauer am Dienstagabend auf der LKZ-Podiumsdiskussion zum geplanten Edeka-Neubau im Gewerbegebiet. Deutlich wurde dabei auch: Die Bürger wünschen sich, dass Gemeindeverwaltung und Einzelhändler wieder aufeinander zugehen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Das Thema beschäftigt die Löchgauer: Rund 250 Bürger waren, wie gestern berichtet, am Dienstagabend in die Gemeindehalle gekommen, um sich über den geplanten Edeka-Neubau im Gewerbegebiet und die daraus resultierenden Folgen für den Ort zu informieren.
In der Diskussionsrunde mit Bürgermeister Werner Möhrer, BdS-Vorsitzendem Ulrich Kappl und Dr. Stefan Holl von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) meldeten sich deshalb viele Löchgauer mit ihren Fragen zu Wort. Dabei wurde deutlich: Nicht alle freuen sich über den neuen Supermarkt am Ortsrand – allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen.
„Ich gehöre zu den schwarzen Schafen, die dazu beigetragen haben, dass dem derzeitigen Markt in der Ortsmitte die Kunden fehlen“, bekannte etwa eine junge Löchgauerin. Allerdings nicht, weil sie mit dem Angebot nicht zufrieden sei, „sondern weil ich im Discounter für das gleiche Geld dreimal so viel bekomme.“ Sie werde deshalb in Zukunft auch weiter außerhalb einkaufen.
Das befürchtete auch ein weiterer Bürger: „Wenn der Edeka im Gewerbegebiet kommt, muss ich mit dem Auto zum Einkaufen und dann kann ich auch gleich zu den vielen Geschäften nach Besigheim fahren“, argumentierte er.
Fragen gab es aber auch zu dem neuen Bonus-Markt, der Ende 2011 in den Räumen des jetzigen Edeka im Ort eröffnen will.
Warum sich die Gemeinde gerade für diesen Anbieter entschieden habe wollten die Zuhörer wissen und selbst Fragen nach Vertragsdetails kamen auf, denn die Räume gehören der Gemeinde. Details dazu wollte Bürgermeister Möhrer zwar nicht nennen, allerdings müsse der gemeinnützige Bonusmarkt – als Nachmieter von Edeka – etwa 20 bis 30 Prozent weniger Miete zahlen als der jetzige Pächter.
Auch die Frage, wer die Geschäftsführung im neuen Markt im Gewerbegebiet übernimmt, beschäftigte die Löchgauer. Diese Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Die Personalie werde etwa drei Monate vor Eröffnung bekannt gegeben, erklärte Möhrer. Edeka habe ihm allerdings versichert, dass es ein Geschäftsführer werde, der freundlich mit den Kunden umgehe und für guten Umsatz sorge.
Gleich mehrere Diskussionsteilnehmer kritisierten, dass sich die Gemeinde „der Macht einiger Einzelhandelsketten“ unterwerfe. Sie appellierten dafür, lieber die örtlichen Einzelhändler zu unterstützen und brachten auch die Idee ins Spiel, einen Tante-Emma-Laden in Löchgau wieder zu beleben.
Doch dem rechnete Experte Stefan Holl wenig Chancen aus: „Sie dürfen den Blick nicht zurück in eine glorreiche Vergangenheit werfen, die es so nicht mehr gibt“, erklärte er. Ein solcher Laden sei keine Lösung für die Löchgauer Probleme; denn dafür fehle es an Platz und Kunden.
Von seinen Erfahrungen mit großen Märkten auf der grünen Wiese berichtet Heinz Streicher vom Bund der Selbstständigen aus Besigheim. Vom großen Edeka-Markt in Besigheim hätten sich die Einzelhändler auch einen Schub für den Ortskern erwartet – doch das Gegenteil sei eingetreten: „Der Stadtkern von Besigheim stirbt langsam vor sich hin; Synergien gibt es nicht“, erklärte Streicher. Er mahnte die Löchgauer deshalb zur Geschlossenheit: Bürgermeister und Einzelhändler müssten gemeinsam nach einer guten Lösung suchen und aufeinander zugehen. „Die Fronten sind hier unwahrscheinlich verhärtet, das bringt Ihnen gar nichts“, appellierte er.

Christina Kehl