Andere Gemeinden würden sich die Finger danach lecken: Ein großer Markt am Ortsrand, der in wenigen Minuten mit dem Auto und auch noch mit dem Rad von den Wohngebieten aus gut zu erreichen ist. In dem es über Lebensmittel und Getränke hinaus auch Putzmittel, Toilettenpapier, Blumendünger und Schnürsenkel gibt. Und in dem auch die Löchgauer noch aus vollen Regalen einkaufen können, die nicht um 18 Uhr Feierabend haben. Sie müssten dann nicht mehr in Bietigheim, Besigheim oder Kirchheim halt- machen und dort ihren Kofferraum füllen, sondern könnten das in Löchgau tun.
Der Ortskern bleibt deshalb trotzdem attraktiv. Denn wer in den Fachgeschäften einkauft, der erwartet etwas Besonderes: Produkte, die es im Einheitssortiment der großen Märkte nicht gibt.
Kompetente und individuelle Beratung, günstige Preise oder ein gemeinschaftliches Einkaufserlebnis. Das sind die Stärken, die die kleineren Geschäfte in Löchgau groß auf ihre Plakate und in ihre Werbeanzeigen schreiben könnten. Ihre Stammkunden, die das schätzen, werden auch in Zukunft den kleinen Schlenker in den Ortskern machen, nachdem sie sich im Gewerbegebiet den Kofferraum gefüllt haben.
Protektionismus nach dem Motto „Einkaufen in der Ortsmitte oder gar nicht“ funktioniert dagegen sicher nicht. Konkurrenz lässt sich nicht verbieten, sie ist schon lange da. Kunden suchen sich ganz ohne Lokalpatriotismus das Angebot, das ihre Bedürfnisse am besten deckt – ob das in Löchgau, in umliegenden Orten oder im Internet ist.
Der Gemeinderat hat deshalb die richtige Entscheidung getroffen, als er das Edeka-Baugesuch genehmigt hat. Seine Aufgabe ist es nicht, allein die Interessen der Einzelhändler im Ortskern zu vertreten. Er soll zum Wohle der ganzen Gemeinde handeln. Und viele Löchgauer wären froh über den zusätzlichen Markt.