Der Löchgauer Gemeinderat hat das Baugesuch der Handelskette Edeka für einen großen Markt im Industriegebiet einstimmig genehmigt. Der Entscheidung waren große Proteste der Einzelhändler in der Ortsmitte vorangegangen, doch Bürgermeister Werner Möhrer machte deutlich: „Diese Chance bekommen wir nie wieder.“
Nach dem lauten Aufschrei am Wochenende erlebten die Löchgauer Gemeinderäte am Donnerstagabend auf dem Weg zum Rathaus stillen Protest. Die Einzelhändler in der Hauptstraße hatten ihre Schaufenster verhängt. Statt Blumen, Spielzeug, Tiernahrung oder Brillen konnten die Passanten Plakate sehen: „Noch geöffnet“ stand in großen schwarzen Lettern darauf oder „Kommt das Aus für Ausbildungsbetriebe?“.
So manchen mag dabei ein ungutes Gefühl beschlichen haben, doch an der Entscheidung hat sich nichts geändert. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, das Baugesuch der Handelskette Edeka für einen Markt in der Lise-Meitner-Straße zu genehmigen. Dort sind 1250 Quadratmeter Verkaufsfläche geplant, dazu an die hundert Parkplätze. Da das Grundstück im Kurvenbereich zwischen Lise-Meitner-Straße und Umgehungsstraße liegt, überschreitet das Gebäude die Baufenster an mehreren Stellen – allerdings nur geringfügig.
„Märkte dieser Größe sind nach einem System aufgebaut, an dem war nicht zu rütteln“, erklärte Bürgermeister Werner Möhrer. Trotzdem bleibe eine großzügige Grünfläche rund um die Anlage.
Heinz Schneider (FWL) brachte die Beiträge aller Fraktionen in der Diskussion auf den Punkt: „Der Laden im Ort ist wichtig, der BdS ist wichtig. Aber diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen.“ Thomas Makowiec (SPD) hatte bereits in der vorhergegangenen Diskussion mit dem Bund der Selbstständigen gefragt: „Welche Alternative haben wir denn? “
Die Sorgen der Geschäftsinhaber in der Ortsmitte möchte der Gemeinderat aber nicht aus den Augen verlieren. Wie berichtet hatte der Inhaber des jetzigen Edeka-Ladens in der Hauptstraße angekündigt, sein Geschäft Ende 2011 zu schließen. Die Gemeinde hat zwar einen Nachfolger an der Hand, der aber nur ein eingeschränktes Sortiment an Waren für den täglichen Bedarf anbieten wird.
„Wir müssen alles tun, dass der Laden in der Ortsmitte erhalten bleibt und dem neuen Betreiber entgegenkommen“, sagte Sylvia Häberle (VFFL), „Löchgauer, die nicht mit dem Auto einkaufen fahren können, brauchen den Laden.“
Den sozialen Aspekt des Supermarkts in der Hauptstraße hatte Birgit Griesinger (FWL) im Vorfeld angesprochen. „Wenn ich in den Ort fahre, dann nicht nur zum Einkaufen, sondern auch um Bekannte zu treffen. Das möchte ich nicht missen.“
Bürgermeister Werner Möhrer kündigte schon an, die Höhe der Pacht zu prüfen. „Wir haben seit 13 Jahren nicht erhöht. Aber wir werden die jetzige Pacht sicher nicht mehr bekommen.“
Allerdings sind auch die Löchgauer gefragt. „In Löchgau schimpfen und auswärts einkaufen – das funktioniert nicht“, sagte Erich Griesinger (CDU).
Wann der neue Vollsortiment-Markt im Industriegebiet gebaut wird, steht noch nicht fest. Nach der Zustimmung des Gemeinderats geht das Baugesuch ans Landratsamt, das weitere Behörden anhört. Erst wenn die Genehmigung vorliegt, kann die Gemeinde das Grundstück an Edeka verkaufen.