Ob im Löchgauer Gewerbegebiet tatsächlich ein großer Lebensmittelmarkt gebaut werden darf, darüber entscheidet auch der Verband Region Stuttgart. Chefplaner Thomas Kiwitt erklärt, warum die Region Lebensmittelmärkten auf der grünen Wiese skeptisch gegenübersteht und wie die Chancen stehen, dass der Markt in Löchgau genehmigt wird.
Herr Kiwitt, wie viele Kommunen wollen vom Verband Region Stuttgart einen großen Lebensmittelmarkt auf der grünen Wiese genehmigt haben?
Thomas Kiwitt:Anträge mit großflächigen Einzelhandelsvorhaben gehören bei uns zum Alltagsgeschäft. Jeden Monat landen bei uns etwa vier Anfragen zu diesem Thema – leider immer wieder auch einige Standorte die nicht den Vorgaben entsprechen.
Und wie entscheidet die Region?
Unsere Entscheidungen orientieren sich an den Vorgaben des Landes und den Zielaussagen des Regionalplanes. Entsprechen die Planungen diesen Bestimmungen nicht, muss die Stellungnahme negativ ausfallen.
Es gibt durchaus Projekte, die an unserem Veto scheitern, und zwar dann, wenn mit dem geplanten Markt zu viel Kaufkraft aus der Nachbarschaft abgezogen wird.
Normalerweise müssten Sie aber doch viel öfter Nein sagen – die Region steht Lebensmittelmärkten auf der grünen Wiese skeptisch gegenüber.
Solche peripheren Standorte kommen generell nicht in Betracht. Allerdings versuchen wir bereits im Vorfeld darauf hinzuwirken, dass für offensichtliche Fehlentwicklungen das formale Planungsverfahren gar nicht erst eingeleitet wird.
Wichtig ist, dass die Nahversorgung in den Kommunen für uns ein zentrales Anliegen ist. Wir leisten unseren Beitrag dazu, dass möglichst in allen Gemeinden der Region zumindest die Dinge des täglichen Bedarfs angeboten werden. Leider ist das nicht mehr überall möglich.
Sicher ist aber auch, dass es mit einer ungeregelten Konkurrenz auf der grünen Wiese noch sehr viel schwieriger wäre, Läden dort zu unterhalten, wo sie hingehören: in der Ortsmitte. Eine solche Entwicklung geschieht aber leider nicht von selbst, sondern muss durch verbindliche Vorgaben gesteuert werden.
Und welche sind das?
Die Größe eines Marktes muss sich zunächst nach der Bedeutung der Standortgemeinde orientieren. Es kann nicht sein, dass in einem kleinen Ort ein 2000 Quadratmeter großer Discounter eröffnet. Wichtig ist auch, dass nicht so viel Kaufkraft aus der Nachbarschaft abgezogen wird, dass dort die Nahversorgung beeinträchtigt wird.
Und die Interessen der örtlichen Einzelhändler spielen keine Rolle?
Der Verband Region Stuttgart hat nicht die Aufgabe, die örtlichen Einzelhändler vor Konkurrenz zu schützen. Aber wir erreichen mit den genannten Vorgaben einen fairen Wettbewerb: Händler in der Innenstadt werden vor Wettbewerbern außerhalb der typischen Innerortslagen geschützt.
Alle großen Märkte müssen sich deshalb in das städtebauliche Gefüge einbinden – vor Ort integriert sein, um eine verbrauchernahe Versorgung zu gewährleisten.
Und ein Standort im Gewerbegebiet – wie ihn der Edeka in Löchgau anstrebt – fügt sich Ihrer Meinung nach gut ins Ortsbild ein?
Ein Standort im Gewerbegebiet und mit Abstand zu den Wohngebieten und Kunden ist schwierig, da er gegen das Integrationsgebot verstößt. Konkret zu einem Standort kann ich mich aber nur äußern, wenn das Vorhaben genau beschrieben ist und Untersuchungen vorliegen.
Als Alternative in Löchgau war zum Beispiel auch das Sonnenareal in der Ortsmitte im Gespräch, da fehlte es allerdings an Parkplätzen. Können Sie noch andere Standorte nennen, die Sie mit der Gemeinde erörtert haben?
Nein, denn auch dazu fehlen notwendige Informationen. Wir sind aber gerne bereit, unsere Anforderungen zu konkretisieren und mit der Gemeinde gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Können Sie eine Prognose wagen, wie die Region im Fall Löchgau entscheidet?
Auch das nicht. Wie gehen davon aus, dass wir offiziell zu diesem Vorhaben gehört werden. Dann werden wir das Thema im Planungsausschuss beraten.