Für Gesprächsstoff sorgt seit einigen Wochen die geplante Ansiedlung eines Edeka-Marktes im Gewerbegebiet an der Umgehungsstraße. Bei einer von der LKZ organisierten Podiumsdiskussion in der Gemeindehalle hatten Löchgauer Bürger gestern die Gelegenheit, Bürgermeister Werner Möhrer und Ulrich Kappl, Vorsitzender des Bunds der Selbstständigen (BdS) Löchgau, Fragen zu dem umstrittenen Thema zu stellen.
Dass der geplante Lebensmittelmarkt die Gemüter in Löchgau erhitzt, zeigte sich schon am guten Besuch in der Gemeindehalle: Mehr als 250 Bürger nutzten die Gelegenheit, um sich über das Thema zu informieren und selbst Kritik zu äußern. Ende 2011 schließt der Edeka-Markt in der Löchgauer Ortsmitte. Allerdings will sich eine neue, größere Filiale der gleichen Kette im Gewerbegebiet an der Umgehungsstraße ansiedeln.
Die Positionen sind klar verteilt: Der Gemeinderat hat sich für den neuen Markt ausgesprochen. Zwar will ein gemeinnütziger Bonus-Markt in die Räume des dann leer stehenden Edeka-Marktes in der Ortsmitte ziehen – nach Ansicht der Verwaltung und des Gemeinderats ist es aber nicht sicher, ob sich dieser Laden langfristig halten kann.
Deshalb sei ein zusätzlicher Edeka-Markt im Gewerbegebiet erforderlich – und zwar möglichst zeitnah. „Falls der Bonus-Markt in fünf Jahren zumachen sollte, haben wir diese Möglichkeit nicht mehr“, sagte Möhrer. Schließlich bemühten sich derzeit auch benachbarte Gemeinden wie Freudental um neue Märkte – bei einer zu hohen Dichte sei aber keine Kette mehr an einer Filiale in Löchgau interessiert.
Dass die Kommune durch den Grundstücksverkauf im Gewerbegebiet 615 000 Euro einnimmt, habe bei der Zustimmung des Gemeinderats aber keine Rolle gespielt, so der Schultes. „Wir müssen die Versorgung mit Lebensmitteln auch in Zukunft sicherstellen.“
Klar auch die Position des BdS-Vorsitzenden Ulrich Kappl: „Wir wollen keinen Supermarkt auf der grünen Wiese. Dann stirbt die Ortsmitte aus.“ Viel Beifall erhielt der BdS-Vorsitzende für seine Bemerkung, die Gemeinde hätte die Ansiedlung des neuen Supermarktes früher in der Öffentlichkeit bekannt machen müssen. Bürgermeister Möhrer wiegelte ab. Die Verwaltung habe die Pläne nur geheim gehalten, weil man dem jetzigen Marktbetreiber nicht habe schaden wollen. Zudem könne sich der BdS immer noch einbringen – mit dem Bonus-Markt sei noch kein Vertrag unterschrieben worden.
Diese Aussage hörte Kappl gerne. Der BdS habe bereits mit Einzelhändlern in der Umgebung gesprochen. „Es ist Interesse da, wenn kein Edeka im Gewerbegebiet kommt, einen Markt in der Ortsmitte zu betreiben“, sagte Kappl. Schultes Möhrer musste zugeben, dass er diese Möglichkeit noch nicht in Erwägung gezogen habe. „Bei der Suche nach einem Betreiber habe ich mich nur an die großen Einzelhandelsketten gewandt, nicht an Privatpersonen.“