Familienbetriebe mit Tradition_Hedaer-neu
23. Januar 2010 | Drucken | Versenden
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Firmenchef Wilhelm Erich Dietz: „Unsere Wurst besteht noch immer aus Fleisch.“
Firmenchef Wilhelm Erich Dietz: „Unsere Wurst besteht noch immer aus Fleisch.“
Bild: Cathrin Müller
KREIS LUDWIGSBURG

Bei Dietz treten die Söhne in die Fußstapfen des Vaters

Bietigheim-Bissingen – Immer wenn Wilhelm Erich Dietz morgens arbeiten geht, wird er automatisch an seinen Uropa Friedrich erinnert. Dann nämlich durchschreitet er das Sandsteinportal des früheren „Adler“. Der war 1889 die Wiege der Metzgerei, die seit vier Generationen von Familienhand geführt wird.

Nach seiner Walz wurde der Sersheimer Friedrich Dietz, der aus einer Bauernfamilie stammte, vor 121 Jahren in Bietigheim sesshaft. Er kaufte den Adler. Gaststätte mit Metzgerei, eine damals übliche Kombination. Der Adler existiert heute bis auf diesen Torbogen nicht mehr. Anfang der 1990er Jahre wurde er abgerissen. Heute steht dort das Finanzamt.
Mit seiner Frau Christine hatte Friedrich Dietz drei Söhne. Ernst und Wilhelm führten das Geschäft weiter. Sie expandierten und bauten auf der grünen Wiese im Gewerbegebiet „Seewiesen“ einen Schlachthof. Die Produktion blieb bis 1978 aber in der Stadtmitte.
Wilhelm Ernst Dietz und Ehefrau Sigrid, die dritte Generation, bauten dann neu. Am heutigen Standort, der Gustav-Rau-Straße. Der Betrieb wuchs zum 100-jährigen Bestehen auf zehn Filialen und 60 Mitarbeiter. Metzgermeister und Diplom-Betriebswirt Wilhelm Erich Dietz folgte 1993. Er erneuerte mit seiner Frau, einer Lebensmittelingenieurin, das Unternehmen von Grund auf.
Immer sind die Söhne in die Fußstapfen der Väter getreten. Die Schuhe sind dabei stetig gewachsen und jeder hat ihnen neues Profil gegeben. Heute beschäftigt das mittelständische Unternehmen 120 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von elf Millionen Euro. „Als ich den Laden mit 29 Jahren übernommen habe, weil mein Vater überraschend gestorben war, lagen wir gerade bei neun Millionen Mark“, erinnert sich Dietz. Noch in diesem Jahr werden die Filialen 19 bis 21 folgen.
Der eigene Schlachthof ist mittlerweile aufgegeben. „Aber ich suche immer noch selbst das Vieh von Bauern aus der Region aus“, betont Dietz. Denn Wurst bestehe bei ihm immer noch aus Fleisch. Jede Woche werden bis zu 150 Schweine und zwölf Jungbullen zerlegt und verarbeitet. Zu zwei Dritteln wird daraus Wurst und Schinken oder „schnelle Küche“ gemacht, aus dem anderen Drittel wird Schnitzel, Braten und Co.
„Heute wird fettärmer und auf Muskelfleisch gemästet“, sagt Dietz. Früher habe eine Sau bis 40 Prozent Fett gehabt, heute seien es noch maximal zehn. Seine Ware hat sogar einen blaublütigen Fan: Die Prinzessin von Butan liebt die Schwarzwurst von Dietz.
„Das Fleischereigeschäft ist ein knochenharter Wettbewerb.“ Ständig müsse man am Ball bleiben: Gleichbleibend hohe Qualität liefern bei dem, was den Kunden seit Jahren schmeckt, und innovativ sein, um den Zeitgeist zu treffen. Zum Beispiel mit fettarmer Putenwurst. „Früher hatten wir einen Verkäufermarkt, heute bestimmt der Verbraucher“, warnt Dietz vor jedem Ausrutscher. Schnell sei man in der bestehenden Konkurrenzlage weg vom Fenster.
Etwa 60 Prozent der Ware wird über die Filialen oder über den eigenen Partyservice verkauft. 40 Prozent werden an Großabnehmer wie Kantinen geliefert. Auch hier sei Flexibilität Trumpf. Der Kunde bestimmt: zum Beispiel bei der moslemtauglichen Roulade – ohne Schweinespeck.
Damit ein Familienunternehmen über Generationen am Leben erhalten wird, dafür gebe es kein Patentrezept, meint Dietz. Wichtig sei, dass der Nachwuchs von Kindesbeinen in den Betrieb hineinwachse und so Spaß am väterlichen Metier verschmecke. So sei es bei ihm gewesen und er hofft, dass es auch bei seinen Söhnen, fünf und acht Jahre alt, so sein wird. „Ludwig und Friedrich kennen den Laden hier schon wie ihre Westentasche.“

Thomas Faulhaber

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