Freiberg – Das Haupt des Freiberger Königs ziert eine Kochmütze. Denn Udo Rommel ist Deutschlands Maultaschenkönig. Er kocht in seinem Hotel-Restaurant Rössle. Schon in fünfter Generation kümmert sich die Familie Rommel um das Wohl ihrer Gäste. Die familiäre Nachfolge ist auch gesichert. Die Tochter Ramona ist im Service, der Sohn Florian absolviert die Meisterschule als Koch.
Ein vergilbtes Foto aus dem Jahr 1905 ist das älteste Dokument, das die Rommels noch haben. Auf dem Fachwerkgebäude ist der Schriftzug Bäckerei Friedrich Rommel gemalt. Das war der Ururopa von Udo Rommel. Wie weit die Familiengeschichte am gleichen Platz tatsächlich zurückgeht, darüber kann nur spekuliert werden. „Wahrscheinlich ein paar hundert Jahre“, vermutet er. Auch wenn das Haus von außen kaum noch als historisches Gebäude zu erkennen ist: Die Wirtsstube ist im Kern original. Unter dem Putz ruht das Gebälk, es wurde immer wieder aufgestockt und angebaut. Das Rössle kann heute bis zu 100 Menschen bewirten und 36 Menschen eine Bettstadt bieten.
Lange Zeit war das Rössle eine eher ungewöhnliche Kombination: Bäckerei und Brennstoffhandel. Während Weckle, Brezel und Brot seit dem Zweiten Weltkrieg nur noch für den Eigenbedarf und im Auftrag der Nachbarn gebacken wurden, wurden bis Anfang der 80er Jahre die Kunden noch mit Kohle und Öl beliefert.
Oma „Rösle“ Rommel hat angefangen mit der Bewirtung. „Damals gab’s zum Viertele vielleicht eine Butterbrezel, mehr nicht“, erzählen Udo und Marita Rommel. Erst die Mutter Helga hat dann richtig angefangen mit Kochen – typisch schwäbisch. Der Vater Karl habe fast mehr Zeit auf dem Fußballplatz verbracht als in der Wirtschaft. Das hätte sich fast auf den Sohn Udo übertragen. Der wäre gerne Rennfahrer geworden. Aber es setzte sich doch das mütterliche X-Chromosom durch. Heute sagt er: „Ich könnte mir nichts anderes vorstellen, als Koch zu sein. Ich bin Vollblutgastronom und bereue nichts.“ Von Oma und Mutter hat er die Rezepte ehrlicher schwäbischer Küche geerbt und ausgebaut. Aber er befürchtet: „Die Klassiker werden irgendwann aussterben, weil sie über Pizza und Burger vergessen wurden.“
Seine Leidenschaft ist die Maultasche. Jede Einzelne von Hand gemacht. Das Besondere: Mit seinem verfeinerten Verfahren bekommt er die Bindung der Fülle ohne Brät hin. „Ich will ein echtes Herrgottsb’scheißerle und keinen Fleischkäs’“, sagt er und schweigt ansonsten zum Geheimnis. Mit einem Weltrekord steht er im „Guinness Buch der Rekorde“: Am 26. April 1997 machte er mit der weltlängsten Maultasche 2000 hungrige Göschle satt. 980,65 Meter wurden gemessen.
Etwas handlicher sind die Portionen, die er nach ganz Deutschland verkauft. Eingedost gehen die Spezialitäten bis hoch nach Ostfriesland. Bis zu 2000 Stück pro Woche. Aber nur an privat. „Ich liefere Handarbeit, um andere Küchen zu bedienen, fehlen mir die Kapazitäten“, so Rommel. Nicht so fürs Catering: 1000 Gäste hat er am Bodensee schon einmal „bevespert“.
Gattin Marita kümmert sich um Gaststube und Gästezimmer. Früher wurden zwei Zimmer in der eigenen Wohnung an Monteure oder Handlungsreisende vermietet. Jetzt stehen 36 Betten zur Verfügung. Immer mehr Fahrradtouristen buchen in letzter Zeit. Ihnen baut Rommel jetzt eine Garage, darüber soll ein Wintergarten die Gaststube erweitern.