Familienbetriebe mit Tradition_Hedaer-neu
27. Februar 2010 | Drucken | Versenden
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Regina Kirchner mit einem Otoskop. Sie führt das Familienunternehmen in der vierten Generation.
Regina Kirchner mit einem Otoskop. Sie führt das Familienunternehmen in der vierten Generation.
Bild: Alfred Drossel
KREIS LUDWIGSBURG

Mit Medizintechnik zu Weltruf

Asperg – Viele Menschen hatten schon als Kinder mit der Kirchner & Wilhelm GmbH + Co. KG (KaWe) zu tun, ohne es zu wissen. Wer mit einer Ohrenentzündung zum HNO-Arzt kam, dem wurde häufig mit einem Otoskop aus Asperg ins Ohr geschaut. Denn das Familienunternehmen ist seit 120 Jahren auf Medizintechnik spezialisiert.

„Ein schwäbisches Unternehmen mit Weltruf“ hat KaWe das Kapitel über die Firmengeschichte im aktuellen Katalog überschrieben. Kein Wunder, denn heute sind die kleindiagnostischen Instrumente aus Asperg in fast 100 Ländern in Arztpraxen und Kliniken im Einsatz, wie Regina Kirchner erklärt. Die 46-Jährige leitet den 70-Mitarbeiter-Betrieb als Geschäftsführerin und Alleingesellschafterin in der vierten Generation.
Die internationale Ausrichtung ist jedoch eine junge Entwicklung in der Firmengeschichte. Gleiches gilt für den Standort im Kreis Ludwigsburg. Als Gustav Kirchner und Hugo Wilhelm 1890 in Stuttgart begannen, medizinische Instrumente, wie die „Record-Spritzen“ aus Metall, zu entwickeln und zu produzieren, hatten sie den deutschen Markt im Blick und das blieb weitgehend so, bis Regina Kirchner 1986 in den Betrieb einstieg.
„Wir hatten damals einen Exportanteil von acht bis neun Prozent“, erinnert sie sich. Ihr Vater Georg bereitete die Umorientierung vor, indem er seine Tochter zur Ausbildung auch ins Ausland schickte. Und die richtete die Geschäftspolitik anschließend immer mehr international aus. Heute mache das Auslandsgeschäft rund 70 Prozent des Umsatzes aus.
Die Expansion führte den Medizintechnikhersteller im 99. Jahr seiner Geschichte nach Asperg. Weil der Stammsitz in Stuttgart zu klein geworden war, wurde 1989 erweitert. Doch nach knapp 15 Jahren reichte der Neubau nicht mehr aus. Durch einen Hallenbau 2003 und ein zusätzliches Stockwerk wurde die Fläche 2008 um ein Drittel vergrößert. Über eine Million Euro wurden dafür investiert.
Trotz aller weltweiten Aktivitäten ist KaWe ein durch und durch schwäbisches Familienunternehmen geblieben. Und das ist Regina Kirchner auch wichtig. Eine Verlagerung der Produktion in andere Regionen oder ins Ausland war für sie nie ein Thema. Schon aus Qualitätsgründen, betont die Chefin. Und der schwäbische Erfindergeist sei ein wesentliches Element für den unternehmerischen Erfolg. Bei der Entwicklung neuer Produkte oder der Verbesserung existierender Instrumente setzt der Asperger Betrieb nicht nur auf die eigene Entwicklungsabteilung, sondern auch auf die Zusammenarbeit mit Ärzten und heimischen Universitäten.
Familienunternehmen hat bei der Firma Kirchner & Wilhelm aber noch eine andere Bedeutung als nur die familiäre Tradition an der Spitze. Regina Kirchner geht es auch um ein familiäres Betriebsklima, geprägt von Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten. „Hierarchische Führung ist nicht mehr zeitgemäß“, meint sie. Und mit mehreren Veranstaltungen im Jahr sorgt sie dafür, dass die Belegschaft auch in der Freizeit hin und wieder zusammenkommt.
Auch zum – etwas krummen – Jubiläum in diesem Jahr wird es eine Feier geben. Bei der sollen langjährige ehemalige Mitarbeiter den jüngeren die Firmengeschichte aus ganz persönlicher Sicht nahebringen.
Lange Betriebstreue ist bei KaWe die Regel. Und diese Kontinuität gibt es nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch in der Chefetage. Schon Regina Kirchners Urgroßvater führte die Firma 45 Jahre lang, davon fast 20 Jahre allein, nachdem sich Hugo Wilhelm aus Gesundheitsgründen zurückgezogen hatte. Großvater Albert Kirchner war 40 Jahre im Unternehmen tätig, ihr Vater Georg sogar 53 Jahre. Und Regina Kirchner steht ihren Vorfahren nicht nach. Denn schon jetzt hat sie 24 Jahre in der familieneigenen Firma absolviert. Und es könnten gerne noch einmal so viel werden, meint sie.

Jürgen Schmidt

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