Not macht erfinderisch – und Finanznot allemal. Seit einigen Monaten ist die Stadtverwaltung schon dabei, ihre Radarfallen technisch aufzurüsten. Und allen Sparmaßnahmen zum Trotz wird auch für die kommenden Jahre Geld für die weitere Aufrüstung bereitgestellt. Daneben soll verstärkt Jagd auf Parksünder gemacht werden.
Digitalisierung heißt das Zauberwort des 21. Jahrhunderts. Auch die städtischen Radarfallen bleiben davon nicht verschont. Acht stationäre Blitzer gibt es derzeit in der Stadt, dazu sechs sogenannte Rotlicht-Blitzer und einen an der Busspur in der Marbacher Straße. Derzeit werden die Geräte von herkömmlicher auf digitale Technik umgestellt. Das hat zwei Vorteile. Zum einen müssen dadurch keine Filme mehr entwickelt werden. Die Bilder werden auf einem Computerchip gespeichert und können direkt auf die Rechner der Bußgeldstelle hochgeladen werden. Das spart einiges an Geld und Zeit.
Zum anderen sorgt die neue Technik für gestochen scharfe Bilder. Bislang sind der Stadtverwaltung nämlich etwa zehn Prozent der Raser durch die Lappen gegangen, so Gerald Winkler, Leiter des Fachbereichs für Sicherheit und Ordnung. Schuld daran sind Regen und Nebel, die manch einem allzu schnellen Autofahrer unverhofft zur Hilfe eilen. Bei schlechter Witterung bleiben viele Bilder unscharf, die Fahrer oder Nummernschilder sind nicht zu erkennen. Damit soll demnächst Schluss sein.
Einige Radaranlagen sind in den vergangenen Monaten schon umgerüstet worden. Und die technische Aufrüstung geht weiter. Für das kommende Jahr sieht der Haushaltsplan 100 000 Euro für die Erneuerung der Radaranlagen vor. Bis 2013 insgesamt 270 000 Euro. Etwa 80 000 Euro kostet die Modernisierung einer Radarfalle, sagt Winkler. Nach etwa drei bis vier Jahren habe man die Investition aber wieder drin.
Insgesamt nahm die Stadt im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Euro an Bußgeldern ein. Darunter fallen vor allem Strafen fürs Falschparken und Rasen. Für das laufende Jahr rechnet die Stadt mit 2,7 Millionen Euro. Die neuen Radarfallen könnten der Stadtkasse nun zusätzlich Einnahmen im sechsstelligen Bereich bringen. Oberbürgermeister Werner Spec und Stadtkämmerer Ulrich Kiedaisch machen keinen Hehl daraus, dass sie in Zeiten knapper Kassen auf diese Mehreinnahmen setzen.
In den Augen von Gerald Winkler bringen die neuen Anlagen aber nicht nur finanzielle Vorteile. „Es geht uns um Sicherheit und Lärmschutz für die Anwohner“, erklärt er. Außerdem sei es eine Frage der Gerechtigkeit. Die Stadt wolle jeden Verkehrssünder zur Kasse bitten.
Zu diesen werden in Zukunft verstärkt auch die Falschparker gerechnet. Aufgrund fehlender Kontrollen konnte man bislang am späten Samstag und an Sonntagen in der Innenstadt praktisch parken, wo man will. Auch damit ist jetzt Schluss. Die Stadtverwaltung will die Ludwigsburger vermehrt mit Streifen am Wochenende disziplinieren. Vor allem das Parken auf Gehwegen oder vor Feuerwehr-Zufahrten sei mittlerweile eine weitverbreitete Wochenend-Unsitte, so Winkler. Dieser verstärkte Einsatz dürfte der Stadtkasse am Ende ebenfalls ein nettes Sümmchen einbringen. Auch Kleinvieh macht ja bekanntlich Mist.