Ein dringendes Bedürfnis haben dieser Tage viele – nur nicht alle das gleiche.
Stadtbesucher, die auf der Bärenwiese – egal ob mit dem Auto oder dem Bus – ankommen, plagt ein sehr menschliches Bedürfnis: Sie müssen mal. Nur: Sie können nicht. Denn die nächste Toilette liegt versteckt unter der großen Sternkreuzung. Und ist zudem mehr als unappetitlich.
Der Stadtseniorenrat hat das Bedürfnis, genau diesen Zustand zu ändern – und zwar mit einer öffentlich bewirtschafteten Toilettenanlage auf der Bärenwiese.
Diese war ja auch bereits in Planung. Stadtverwaltung und Blühendes Barock verkündeten im Frühjahr stolz: „Wir packen das WC-Problem gemeinsam an.“ Doch mit der Finanzkrise wurden die Weichen neu gestellt.
Die Stadtverwaltung hat nämlich derzeit vor allem das Bedürfnis, kräftig zu sparen. Daher hat sie dem Blühenden Barock auch einen ordentlichen Batzen des jährlichen Zuschusses gekürzt.
100 000 Euro weniger gibt’s – und als Folge dessen kürzt auch das Land seinen Beitrag um ebenfalls 100 000 Euro. Denn für Stadt und Land als Gesellschafter der Gartenschau-GmbH gilt: Was der eine tut, muss auch der andere tun.
Grund genug wiederum für das Blühende Barock, seine Bedürfnisse zu überdenken. Zwar müssen viele Gartenschau-Gäste auch erst einmal, wenn sie in der Schorndorfer Straße das Kassenhäuschen passiert haben. Aber: Im BlüBa gibt’s ja bereits eine Toilette – zwar erst hinterm Schloss, aber vorhanden ist eine.
Und somit verkündete Gartenschau-Chef Volker Kugel vor wenigen Wochen: „Wir legen das Projekt auf Eis.“
Vor 2013 sei wegen der knappen Finanzen mit einem Umbau des Haupteingangs samt öffentlicher WC-Anlage für Stadtbesucher und Bärenwiesen-Parker nicht zu rechnen.
Doch der Stadtseniorenrat will das so nicht hinnehmen. Dessen Vorsitzende Elisabeth-Charlotte Rotsch machte jetzt den Herren im Rathaus nämlich nochmals klar, dass bei älteren Herrschaften ein dringendes Bedürfnis nicht nur einfach so ein dringendes Bedürfnis ist – sondern schlichtweg manchmal nicht aufzuhalten ist. Kurzum: Bis 2013 wolle man nicht warten.
Und so verkündete jetzt auch die Stadtverwaltung wieder: „Wir wollen vor 2013 zu einer Lösung kommen.“ Man habe verschiedene Ideen im Kopf. Das Bedürfnis darüber zu sprechen wiederum hat die Stadt allerdings nicht.
Und so sieht doch alles gerade ein bisschen danach aus, als ob Stadt und Blühendes Barock einfach ein bisschen pokern.
Das BlüBa signalisiert der Stadtverwaltung: „Streichst Du mir Geld, dann kriegst Du nix!“
Und aus dem Rathaus funkt man Richtung Gartenschau: „Ätsch BlüBa, wir brauchen Dich gar nicht – wir kriegen‘s auch alleine hin!“
Schade eigentlich. Denn vor ein paar Monaten noch war der gemeinsam finanzierte Neubau die ideale Lösung – sowohl für die Stadt als auch fürs BlüBa.
Vielleicht entwickeln beide Seiten ja noch das dringende Bedürfnis miteinander zu reden. Bevor das ganze Projekt in die Hose geht.