Das klingt schon etwas seltsam. Die Stadt lässt in der Elly-Heuss-Knapp-Realschule einen Aufzug einbauen, den man derzeit eigentlich gar nicht braucht. Zumindest gibt es im Moment keinen Bedarf dafür.
190 000 Euro kostet der Spaß, rund 100 000 Euro muss aus der Stadtkasse nachfinanziert werden. Ein „stolzer Betrag“, wie auch Stadträte befanden. Der Aufzug wäre, trotz gesetzlicher Auflagen, auch nicht zwingend notwendig.
Warum wird er also nicht eingespart? Es geht darum, die Schule, wie es so schön heißt, barrierefrei zu machen. Behinderte Schüler können so problemlos in die Klassenzimmer und Fachräume auf den einzelnen Stockwerken kommen. Ein Ziel, dem auch alle Stadträte jüngst im Bauausschuss zustimmten. „Absolut richtig“, fanden es alle.
Weil es aber derzeit keine Schüler an der Schule gibt, die auf diesen Fahrstuhl angewiesen sind, steht er still. Sprich: Er wird nicht benutzt. Er soll auch kein bloßer Besenaufzug sein, wie von der Bauverwaltung betont wird.
Warum wird das teure Stück, das alle befürworten, dann eingebaut? Die Realschule wird bekanntlich saniert, und weil man schon mal dabei ist, soll auch der Aufzug rein. Das sei billiger, als später nachzulegen, heißt es. Außerdem könne von den Kosten ein Teil über das vorhandene Budget für die Sanierung – es beläuft sich auf 4,2 Millionen Euro – finanziert werden.
Als Zeichen der Sparsamkeit wertet die Verwaltung, dass über das Budget bereits die Dachsanierung mitfinanziert worden sei. Ansonsten kann wenig abgespeckt werden. Im Gegenteil: Es kommen, wie ein Stadtrat bemerkte, noch Folgekosten für den Betrieb des Aufzugs dazu.
Bleibt also noch die Frage, warum ein Aufzug so teuer sein muss. Schließlich erhöht jede neue Ausgabe den Druck auf Stadt und Stadträte, im Haushalt 2010 an anderer Stelle zu sparen.
Ein Standard-Aufzug kostet nur 50 000 Euro, nicht mehr. In der Realschule hat der Lift aber gleich mehrere Hürden zu nehmen. Weil das fünfstöckige Gebäude Zwischenebenen hat, hat der im Treppenhaus integrierte Aufzug zehn Stationen anzufahren. Das ist teuer, zudem muss der Lift jeweils wechselnd auf der linken, dann wieder auf der rechten Seite die Türen öffnen können.
Ein toller Fahrstuhl also, der alles kann – und vielleicht auch eines Tages mal genutzt wird. Ansonsten war‘s vergebliche Liebesmüh.