Wegen eines fast wertlosen Plüschkissens hat ein 24-Jähriger einen Jugendlichen übel zugerichtet. Wegen Raubes und vorsätzlicher Körperverletzung verurteilte ihn das Marbacher Schöffengericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.
Beide waren am 3. Oktober 2009 unabhängig voneinander auf dem Heimweg vom Canstatter Wasen nach Affalterbach. Im Bus soll der Angeklagte schon permanent die Herausgabe des bunten Kissens gefordert haben, das der 16-Jährige auf dem Volksfest gewonnen hatte.
Weil der sich weigerte, der Aufforderung nachzukommen, eskalierte die Situation kurz nach Mitternacht an der Haltestelle „Waage“: Nachdem die beiden den Bus verlassen hatten, schubste der Mann sein Opfer um. Als der Jugendliche wieder auf den Beinen war, schlug er ihm mit der Faust und der flachen Hand mehrfach ins Gesicht und auf den Kopf, bis er erneut zu Boden ging. Dabei hat der 16-Jährige Prellungen im Gesicht und am Kopf, Schürfwunden und Blessuren am Rücken davongetragen. Dann schnappte sich der 24-Jährige das Kissen mit einem geschätzten Wert von fünf Euro und rannte davon.
Eigentlich sei es ihm gar nicht um das Kissen gegangen, meinte der arbeitslose Stahlbetonbauer jetzt vor Gericht. Das im Bus sei nur Spaß gewesen. Dass daraus in Affalterbach Ernst wurde, habe ihn selbst erschreckt. Das Kissen habe er sich aus einem Reflex heraus genommen. „Ich kannte mich nicht wieder“, gab er alles zu, ohne sich aber an Details erinnern zu wollen. Vier bis fünf Mal habe er zugeschlagen, das Opfer sprach bei der Polizei von zehn bis 15 Faustschlägen.