Wegen räuberischer Erpressung muss sich seit gestern ein 28-Jähriger vor dem Landgericht Heilbronn verantworten. Er soll im vergangenen Dezember eine Tankstelle in Sachsenheim überfallen haben.
Die ganze Sache als Schnapsidee zu bezeichnen, trifft den Nagel in diesem Fall wohl auf den Kopf. Eigentlich war es ein Morgen wie jeder andere, zumindest für den angeklagten Sachsenheimer. Gegen 10 Uhr ließ er sich von seiner Freundin, mit der er drei gemeinsame Kinder hat, zu seinem Arzt nach Vaihingen fahren. Der 28-Jährige nimmt an einem Methadon-Programm teil. Von dem Vaihinger Mediziner erhält der in Bietigheim-Bissingen geborene Arbeitslose, der nach eigenen Angaben seit seinem 15. Lebensjahr von Drogen und Alkohol abhängig ist, den Opiumersatz.
Zurück in Sachsenheim, leerte er in den eigenen vier Wänden fast eine ganze Flasche Tequila, zudem nahm er reichlich Schlaftabletten. Nach etwa zwei Stunden rief er einen 45 Jahre alten Kumpel an, um mit diesem „ein wenig am Spielplatz abzuhängen“. Auf dem Weg dorthin traf er den 45-Jährigen, der im Auto unterwegs war. Während der 28-Jährige noch schnell etwas in einer nahe gelegenen Tankstelle besorgen wollte, wartete der Kumpel nichts ahnend auf einem etwa 150 Meter entfernten Parkplatz.
In der Tankstelle spielte sich nun Folgendes ab: Der 28-Jährige gab vor, Kaugummi kaufen zu wollen. Als die Verkäuferin ihm den Rücken zudrehte, bedrohte er sie mit einem Taschenmesser und zwang sie, ihm den gesamten Kasseninhalt von 600 Euro zu übergeben. Anschließend ging er zu dem wartenden Kumpel, das Duo machte sich per Auto in Richtung Bietigheim-Bissingen aus dem Staub. Allerdings habe der 45-Jährige nichts von dem Überfall gewusst, sagte der Angeklagte. Erst während der folgenden Autofahrt habe er diesen über seine Tat informiert. Zwar sei der Kumpel sauer gewesen, dass er ihn „in die Scheiße geritten habe“, dennoch ließ er sich 50 Euro der Beute auszahlen. Deshalb ist er nun wegen Hehlerei angeklagt, auch „wenn das Geld nur geliehen war“, so der geständige 28-Jährige. Das Duo setzte die gemeinsame Flucht fort. Wohin, darüber gingen die Meinungen auseinander.