13. März 2010 | Drucken | Versenden
BESIGHEIM/MARBACH

Lehrling wird zur lebenden Fackel

Jugendlicher Leichtsinn wird einen jungen Mann für den Rest seines Lebens entstellen, weil er von zwei Kollegen bei einer „Bubelei“ während der Arbeit in Brand gesteckt wurde. Die beiden müssen sich jetzt vor dem Marbacher Schöffengericht wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung verantworten.

Es sei üblich gewesen, sich in dem Besigheimer Betrieb immer Mal wieder eins auszuwischen, meinten die 22 und 26 Jahre alten Angeklagten. Dass dieser „Streich“ aber so ausarten würde, davon seien sie entsetzt gewesen. „Wir wollten doch nur ein bisschen rumalbern.“
Weil er vom damals 18-jährigen Auszubildenden einen Klaps mit dem Sägeblatt bekommen habe, habe er sich „gerächt“, sagte der ältere Kollege. Er habe dessen Kleidung mit einer Flüssigkeit begossen, von der er wusste, dass sie extrem leicht entzündlich ist. Ein viertel Liter des Gemischs aus Graphit und reinem Alkohol durchtränkte T-Shirt und Hose.
Daraufhin wollte auch der jüngere der Angeklagten „seinen Spaß“ haben. Er habe mit dem Feuerzeug herumgespielt und gemeint: „Schauen wir mal, ob’s wirklich brennt.“ Er beteuerte, dass keine Flamme gebrannt habe, als er sich dem späteren Opfer näherte. Er habe nur so getan, als ob. „Ich kann mir nicht erklären, warum er plötzlich in Flammen stand.“
In einer Kurzschlussreaktion versuchten die beiden noch, den Brand zu löschen: mit Druckluft, nachdem sie versucht hatten, dem 18-Jährigen die Kleider vom Leib zu reißen. Das gab dem Feuer aber zusätzlich Nahrung, der Junge ging in einer Stichflamme auf. „Der rannte durch die Halle wie eine lebende Fackel“, erinnert sich der Firmeninhaber, der veranlasste, dass der Verletzte unter die Dusche gestellt wurde. Alle Mitarbeiter wüssten, wie gefährlich das Zeug sein könne.

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Die komplette linke Seite von der Ferse bis hinauf zur Schulter und der Arm des 18-Jährigen verbrannten. Dazu die rechte Wade. Insgesamt 18 Prozent der gesamten Hautoberfläche. Eine Woche lag der junge Mann auf der Intensivstation, weitere vier Wochen wurde er stationär behandelt. Erst vier Monate später konnte er wieder anfangen zu arbeiten. Aber in einem anderen Betrieb.
In seinen alten Job wollte er nicht mehr zurückkehren. Denn nicht zum ersten Mal hatten ihn die beiden Angeklagten gepiesackt. Brennende Zigaretten hätten sie ihm schon in die Hosen gesteckt, steinharten Sand nach ihm geworfen, seine Klamotten mit Klebstoff beschmiert, erzählte er der Polizei. Warum? – weil er der Jüngste war.
Dennoch glaubt das Opfer nicht, dass seine Peiniger ihn bewusst hätten verletzen und dauerhaft entstellen wollen. „Sie wollten das Feuerzeug kurz anmachen, um mich zu erschrecken und dann ausblasen, aber das hat halt nicht funktioniert.“ Die Verbrennungen zweiten Grades seien ganz gut verheilt. Die dritten Grades würden aber bleibende Spuren hinterlassen. Betroffen sind linkes Schienbein, Hüfte und Brust. Hier würden sichtbare Narben bleiben.
Der Zündler hat sich kurz nach der Tat schriftlich entschuldigt. Beim anderen Angeklagten dauerte es bis zur Verhandlung jetzt. „Es war ein Blödsinn und ist dumm gelaufen“, so die lapidaren Worte. „Mein Sohn hatte Schmerzen ohne Ende und wurde mit viel Morphium ruhiggestellt“, erzählte die Mutter.
Hat der eine Angeklagte dem anderen das Feuerzeug in die Hand gedrückt, oder hat der es sich einfach genommen? Wurde die Kleidung bewusst oder versehentlich entzündet? Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Thomas Faulhaber