Dem Verborgenen auf der Spur waren zahlreiche Baden-Württemberger am Samstag beim Tag der Archive. In Ludwigsburg bot sich unter anderem bei unterschiedlichen Führungen im Staatsarchiv die seltene Gelegenheit, das Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut zu besichtigen.
In der Landeseinrichtung am Arsenalplatz restauriert Beate Degen Bucheinbände, die meist aus Tierhaut bestehen und durch frühere Lagerung in schlechtem Klima geschrumpft sind. Sie zeigte den staunenden Besuchern die älteste Urkunde des Archivs aus dem Jahr 880 und erklärte, dass mehrere hundert Jahre alte Schriftstücke oft weniger Schwierigkeiten bereiten als neuzeitliche Dokumente. Denn diese wurden häufig auf säurehaltigem Papier verfasst, das sich zersetzt.
Der Zerfallsprozess der Akten, Bleifraß an päpstlichen Siegeln und kupferhaltige Farben auf Landkarten sind die täglichen Herausforderungen der Mitarbeiter. Um den Erhalt der Archivalien zu sichern, werden sie aufwändig behandelt, wie die Restauratorinnen Nadja Göhlich und Cornelia Bandow betonen.
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Papierurkunden können in speziellen Wasserbädern gereinigt und entsäuert, Risse und abgebrochene Ränder mit einem Zellulosebrei gefüllt werden. Zuvor prüft der Restaurator, ob das Schriftstück mit der bis ins 19. Jahrhundert verbreiteten Eisengallustinte beschrieben ist. Im Gegensatz zur modernen Tinte ist diese wasserbeständig. Um das Zerlaufen der Buchstaben auf jüngeren Urkunden zu verhindern, wird die Schrift vor dem Wasserbad mit einer speziellen Lösung fixiert, wie Frieder Kuhn den aufmerksamen Besuchern erklärte.
Neben technischen Details der Bestandserhaltung standen kriminalistische Ermittlungen auf dem Programm: Dr. Martin Häußermann machte die Besucher auf einer Führung zu Detektiven. Im labyrinthartigen Magazin galt es einen Kindsmord aus dem 19. Jahrhundert aufzuklären und die Hintergründe eines frühen Amoklaufes zu beleuchten. Eine Besucherin lobte die „äußerst spannende“ Veranstaltung ebenso wie die Anschaulichkeit, mit der Archivarin Dr. Elke Koch die kleinen und großen Interessenten auf eine Reise in die Vergangenheit mitnahm. Den Spuren eines Auswanderers aus dem Hungerjahr 1816 folgend ging es in die Schwarzmeerregion. Alte Reisepässe belegen, dass ganze Familien die württembergische Heimat verließen, um in der Ferne ihr Glück zu suchen.
Die Führungen sind Bestandteil des umfangreichen Programms für alle Altersstufen, das im Staatsarchiv gebucht werden kann.