Es ist bis heute eines der größten Bauprojekte in Deutschland, von seinem Nimbus hat es fast nichts verloren. Die Autobahn ist ein mythologisch aufgeladenes Straßennetz, voller Geschichte, Irrtümer und Legenden. Die Ausstellung im Staatsarchiv zeigt, wie sie einst von den Nationalsozialisten, als eine Art Mega-Kunstwerk in die Landschaft gesetzt wurde.
Nein, die Deutschen sind nicht die Erfinder der Autobahn. Das waren die Amerikaner. Aber kaum jemand hat den Autobahnbau geschickter propagandistisch für sich eingesetzt als die Nationalsozialisten. Allen voran Adolf Hitler. Der Mythos, dass Hitler die Autobahnen baute und damit die Arbeitslosigkeit besiegte, hält sich bis heute.
Dass im Hintergrund des Projekts von Anfang an ein gigantischer Propagandaapparat lief, zeigt die Ausstellung „Kulturlandschaft Autobahn“ im Staatsarchiv. Der Kurator und Publizist Bernhard Stumpfhaus hat dafür über 7000 Fotos aus dem Bestand des mittlerweile aufgelösten Landesamts für Straßenwesen gesichtet. Vor zehn Jahren kamen die Bilder ins Staatsarchiv. Für die Ausstellung hat Stumpfhaus 100 Fotografien (viele aus der Region) von den 30er Jahren bis in die frühen 70er Jahre ausgewählt.
Doch was zeigen diese Bilder? Meist sind es menschenleere Aufnahmen, der frisch gebauten Trassen. Auch Brücken, Modelle oder Autobahnkreuze sind zu sehen. Sie verkörpern den Glauben an Technik und Fortschritt. Stets haben die Fotografen interessante Blickwinkel gewählt. Vor allem in den Aufnahmen aus dem Dritten Reich fügt sich die Straße erstaunlich gut in die Landschaft. So entsteht eine Beziehung zwischen beiden, die aus der heutigen Erfahrung von Dauerstau und versenkten Fahrbahnen kaum noch nachvollziehbar ist.
„Der Autobahnbau war ein Stück staatlich verordnete Landschaftskunst“, sagt Stumpfhaus. Bei den Fotos aus dem Dritten Reich wurden keine Namen der Fotografen festgehalten. Die Bilder sollten für sich selbst stehen, als gegebene Wirklichkeit, nicht inszeniert. „Deutsches Bauen und deutsche Natur sollten zueinanderfinden.“