Über das Neubaugebiet „Neckarterrasse“ wird seit Jahren verhandelt, zuletzt hat der Stadtteilausschuss den Planungen zugestimmt. Doch mit den Anliegern gibt es nach wie vor keine Einigung, wie ein Sprecher aus den Spitzäckern erklärt. Jetzt lässt die Stadt Ballons aufsteigen, um die Höhe der Gebäude sichtbar zu machen.
Mit den Worten „verbittert und böse“ beschreibt ein Anlieger die Stimmung im Spitzäcker und im Sudetenring. Die Neckarweihinger, die in direkter Nachbarschaft zum künftigen Baugebiet Neckarterrasse wohnen, sind ganz und gar nicht einig mit dem, was jetzt den Stadträten vorgelegt wird.
„Trotz anderslautender Botschaft aus dem Rathaus gibt es bisher keine Einigung mit uns Anliegern“, teilt Mathias Scham mit, der seit Jahren für die 30 Haushalte im Spitzäcker spricht. Beim Sudentenring haben sich etwa 200 mit Unterschrift gegen die Planungen ausgesprochen.
Grund für den Ärger: Im Spitzäcker sorgt man sich, dass der neue Nordknoten vor ihren Häusern weiteren Lärm und Emissionen bringt. Zusätzliche Verkehrsbelastungen sieht man auf sich zukommen, wird der Ortskern beruhigt, auch das Lkw-Verbot in Stuttgart fürchtet man wegen der Mautflüchtlinge.
Würde der Abstand zum Nordknoten vergrößert, wäre viel gewonnen, so die Anwohner. Doch der ist nahezu gleichgeblieben – bis auf drei Meter.
Versprochen war aber, so meinen die Anwohner im Spitzäcker, den Abstand von 48 auf 75 Metern zu strecken. „Wir waren nach der letzten Besprechung höchst erfreut“, so Mathias Scham, „jetzt sind wir wie vor den Kopf gestoßen“. Er wirft dem Baubürgermeister nun Wortbruch vor.
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Namens der Anwohner verlangt er auch das angekündigte Schadstoffgutachten. Sollte es entsprechende Werte aufweisen, „werden wir klagen“, so Scham.
Unmut auch im Sudetenring. Dort, wo die Hochhäuser emporragen, stört man sich trotz einiger Verbesserungen durch die Planer an der Höhe der mehrgeschossigen Bauten. Das Gelände, so Karl Kämpfer, steige an, weshalb fünf Geschosse zu viel seien. „Es sollten höchstens vier sein“, so die Meinung. Manche wollen die Wohnblocks überhaupt nicht.
Den Vorwurf der Spitzäcker weist der Baubürgermeister zurück. Man habe über den Bebauungsplan von 1990 gesprochen, den die Anwohner ins Gespräch gebracht haben. Er habe erklärt, auf dieser Basis die Lage zu prüfen. „Wir sind nur 17 Meter auseinander, das ist nicht viel“, sagte Hans Schmid auf Nachfrage. Die Straße könne nicht verlegt werden, sonst „verhagelt es uns den städtebaulichen Entwurf“. Auch die Grundstücke würden unwirtschaftlich.
Damit die Bürger sehen, wie hoch die Geschossbauten werden, lässt die Stadt am kommenden Freitagvormittag große Ballons aufsteigen – auch das eine Premiere in Ludwigsburg. Etwa zehn solcher schwebender Bälle werden deutlich machen, wo der höchste Punkt der geplanten Gebäude sein wird.
Schmid betont, dass neben den Hochhäusern höhere Gebäude möglich sein müssen. Der vorderste Wohnblock ist bereits gestrichen worden, mit Rücksicht auf die Anwohner im Spitzäcker. Der zweite Block ist um ein Stockwerk gekappt worden, so dass es noch drei Geschosse plus Dachgeschoss hat.
Das Lärm- und Emissionsgutachten werde nachgearbeitet, Schmid geht aber davon aus, dass die Befürchtungen nicht zutreffen werden. Man habe den Lärmschutz entlang der Landesstraße verbessert, es gebe statt einer Wand einen Erdwall, auf dem zusätzlich eine steinerne Wand gebaut wird. Sie wird bis zu 3,20 Meter hoch. „Wir haben uns alle Mühe gegeben“, betont der Baubürgermeister. Es sei auch das erste Mal, dass die Stadt eigens ein Schadstoffgutachten erstellen lasse.