Ludwigsburg/Untergruppenbach – Große Enttäuschung bei den derzeit 90 Getrag-Mitarbeitern in Ludwigsburg. Sie mussten gestern erfahren, dass ihr Standort bis spätestens Ende 2011 geschlossen werden soll. „Wir werden es nicht zulassen, dass in Ludwigsburg die Lichter ausgehen“, kündigte Betriebsratschef Joachim Plucis Widerstand gegen die Pläne des Konzerns an.
Bei einem 75. Geburtstag gibt es für gewöhnlich viel zu feiern. Zumal am Gründungsstandort des Unternehmens. Denn Getrag existiert seit 1. Mai 1935. Doch die Lust zum Feiern hat es Konzern-Chef Mihir Kotecha gestern gründlich verdorben, als er den 90 Mitarbeitern am Vormittag bei einer Betriebsversammlung das drohende Aus verkündete.
Er begründete die harten Einschnitte in Ludwigsburg wie auch am Stammsitz in Untergruppenbach und an den anderen deutschen Standorten Neuenstein (Kreis Hohenlohe) sowie Bad Winsheim (Bayern) mit den schwachen Absatzzahlen für Getriebe und Achsen und den dadurch entstandenen Überkapazitäten. Nach den Plänen des Unternehmens sollen von den deutschlandweit 2800 Stellen etwa 700 abgebaut werden.
Die deutschen Beschäftigten sollen in diesem und im nächsten Jahr auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Die Tariferhöhungen für beide Jahre will Getrag komplett aussetzen. Während man in den anderen Werken die Überkapazitäten durch Kosteneinsparungen, Umstrukturierungen und Stellenabbau in den Griff bekommen will, steht dagegen Ludwigsburg mit seinen verbliebenen 90 Arbeitsplätzen erneut vor dem Aus – wie schon einmal Ende 2008. Damals wurde die Schließung durch den Abbau von 350 Stellen verhindert.
In Ludwigsburg wird für 2010 ein Produktionsrückgang von fast 50 Prozent erwartet. Daher könne „auf Dauer der Standort nicht gehalten werden“, erklärte Kotecha. Gleichwohl betonte er, mit der Belegschaft und der IG Metall in Verhandlungen zu treten, um Lösungswege zu erarbeiten.