15. Juli 2010 | Drucken | Versenden
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Während des Unterrichts: Lehrerin Marina Wöhr (rechts) mit ihren Schülern und Götz Schwab im Hintergrund an der Kamera.
Während des Unterrichts: Lehrerin Marina Wöhr (rechts) mit ihren Schülern und Götz Schwab im Hintergrund an der Kamera.
Bild: Holm Wolschendorf
SCHWIEBERDINGEN

Bilingualer Unterricht an der Hauptschule läuft gut

„Die Schüler reden einfach auf Englisch drauf los“, freut sich Lehrerin Marina Wöhr. Sie und Rektorin Ilse Riedl sind sich nach einem Schuljahr einig: Das Projekt bilingualer Unterricht in der Hermann-Butzer-Hauptschule ist gut angelaufen. Es ist einzigartig im Landkreis und auch einmalig in Deutschland. Die Schule hat ein eigenes Konzept entwickelt. Der deutsch-englische Unterricht begann im vergangenen Jahr mit dem Start der neuen Fünftklässler und wird wissenschaftlich begleitet.

Da Englisch bereits in der Grundschule unterrichtet wird, hatten die Fünfer Vorkenntnisse. Neben dem regulären Englischunterricht in der Hauptschule haben die Schüler während des vergangenen Schuljahres einzelne Themenblöcke in verschiedenen Fächern komplett auf Englisch behandelt (wir berichteten). Nach Abschluss wurde der Unterricht auf Deutsch fortgesetzt und in einem anderen Fach ein Thema auf Englisch besprochen. Und weil es keine Bücher für diese Art von Unterricht gibt, haben die Lehrer das Thema, das auf Englisch angeschnitten werden sollte, übersetzt.
Marina Wöhr ist nicht nur Projektkoordinatorin, sondern unterrichtet die Fünftklässler auch. Derzeit sind Projekttage zum Thema Afrika an der gesamten Schule. Für die Fünftklässler bedeutet das im Fach Wirtschaft-Arbeit-Gesundheit Unterricht auf Englisch. Gestern stand auf dem Speiseplan – pardon, auf dem Stundenplan – ein Salat wie man ihn in Nordafrika zubereitet. Die Aufgabe der Schüler war es, für den Gurken-Erdnusssalat beziehungsweise den cucumber-peanut-salad die richtigen Zutaten zusammenzustellen – auf Englisch versteht sich. „Die 15 Fünftklässler sind ganz eifrig dabei und nehmen den Unterricht auf Englisch gut an“, resümiert Lehrerin Marina Wöhr. Was auffällt, gerade Schüler mit Migrationshintergrund beteiligen sich gut in der fremden Sprache. „Sie sind es gewöhnt, sich Wörter zu erschließen“, sagt Wöhr. Und damit die Schüler quasi noch so nebenbei lernen, wie die Möbel in ihrem Klassenzimmer in der Fremdsprache heißen, kleben überall gelbe Zettel daran mit dem englischen Wort.

Dr. Götz Schwab, Leiter der Geschäftsstelle des Forschungsverbunds Hauptschule an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, begleitet das geförderte Projekt zwei Jahre wissenschaftlich. Zum einen haben die Schüler zu Beginn des Schuljahres einen Sprachtest gemacht, der nun am Ende der fünften Klasse wiederholt wird, um den Stand abzufragen. Zum anderen filmt Schwab aus jedem Themenmodul eine Sequenz. Für Schwab, der an der Hermann-Butzer-Schule Referendar war, ist das Projekt besonders interessant, weil er bei seiner Forschung den Fokus auf Hauptschulen und zudem Englisch gesetzt hat. „Eine perfekte Kombination also“, sagt er über das Projekt. Und das sei zudem einzigartig, weil es zwar vereinzelt bilingualen Unterricht an Hauptschulen gebe, aber eben nur für ältere Schüler.
Außerdem sollen die Erfahrungen, die die Schwieberdinger Hauptschule macht, natürlich an andere weitergegeben werden. Da trifft es sich gut, dass Marina Wöhr zudem Fachberaterin beim Staatlichen Schulamt ist und demnächst Fortbildungen zum Thema bilingualer Unterricht in Hauptschulen anbieten möchte. Außerdem ist ein Schulbuchverlag an den Auswertungen und den erarbeiteten Materialien der Lehrer interessiert, um diese zu verlegen.
Rektorin Ilse Riedl zieht nach dem ersten Schuljahr das Resümee: „Wenn keiner meckert, ist das ein Lob.“ Schwab fügt hinzu: „Es ist ein äußerst vielversprechendes Projekt.“ Und wenn im kommenden Schuljahr die neuen 18 Fünfer kommen, dann werden auch sie in den bilingualen Unterricht einsteigen.

Kristina Anger