Die Finanzlage der Stadt zeigt offensichtlich erste Wirkung. Die CDU rückt von den bisherigen Plänen für den Bau einer Multifunktionshalle ab. Sie will von der Verwaltung jetzt alternative Planungen, die einen Ausbau der bestehenden Eishalle im Ellental und der Halle am Viadukt berücksichtigen.
Ein wenig überraschend war es schon, als die CDU-Fraktion in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend ihren Antrag präsentierte. Danach sollen der Ausbau und die Erweiterung der beiden alten Hallen untersucht werden. „Wir wollen neue Ideen in das Verfahren bringen und die bisherigen Vorgaben ein wenig konkreter fassen“, sagt Fraktionsvorsitzender Claus Stöckle zu dem Vorstoß. Außerdem solle das Projekt mal wieder angestoßen werden.
Mit ihrer Kritik an der Verwaltung bleiben sie ihrer Linie treu. Immer wieder hat die CDU geklagt, dass die Planungen für das Großprojekt zu langsam vorankommen. Doch bisher ging es den Christdemokraten stets um die Pläne für eine große Multifunktionshalle.
Mit dem jetzigen Sinneswandel rennen sie bei der Verwaltung offene Türen ein. Denn Oberbürgermeister Jürgen Kessing wird seit einigen Monaten nicht müde zu betonen, dass die rosigen Zeiten auch für Bietigheim-Bissingen vorbei seien. Es müsse gespart werden, um die Jahre 2010 und 2011 allein aus den Rücklagen bestreiten zu können und schuldenfrei zu bleiben.
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Ganz oben auf der Streichliste steht dabei die Multifunktionshalle. Sie ist nach den ersten Planungen immerhin mit Kosten von über 30 Millionen Euro veranschlagt. Das ist auch im reichen Bietigheim-Bissingen ein großer Batzen Geld.
Ganz neu ist der Vorschlag der CDU nicht, denn auch in den anderen Fraktionen gab es ähnliche Überlegungen. Solche Ideen sind auch der Verwaltung nicht unbekannt, denn allein die Größe des Projekts Multifunktionshalle macht alternative Planungen zwingend notwendig. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Stadt bereits im Juni solche Pläne vorlegen kann.
Auslöser für die große Halle waren die sportlichen Verhältnisse bei den Eishockey-Profis der Steelers und bei den Handballern der Spielgemeinschaft (SG) Bietigheim-Bissingen-Metterzimmern. Sie spielen beide in der zweiten Bundesliga und haben Schwierigkeiten mit ihren Spielstätten. Die Steelers kurven auf einer Eishalle, die als Freizeitanlage geplant war. Das Stadium ist stark sanierungsbedürftig und müsste umgebaut werden. Auch die Trainingssituation im Ellental ist unbefriedigend. Daher wird schon seit Jahren eine zweite Eisfläche gefordert, vor allem für die vielen Jugendmannschaften. Ob zukünftig die zweite Eishockeyliga gehalten werden kann, ist fraglich. Der Hauptsponsor Porsche hat sein Engagement auf dem Eis deutlich reduziert und seine Unterstützung für die Steelers von einer Million Euro auf 300 000 Euro gekürzt. Der Gesamtetat sank von 2,8 auf 1,3 Millionen Euro.
Da backen die Handballer kleinere Brötchen, doch auch sie spüren die Wirtschaftskrise. Und keiner weiß, wie lange die beiden Mannschaften noch zweitklassig spielen können. Daher sollen jetzt Planungen gemacht werden, die von einem verkleinerten Spielbetrieb der beiden Mannschaften an alter Spielstätte ausgehen. Dazu müssten in der Eishalle vor allem der Sanitärbereich und die Umkleidekabinen renoviert und erweitert werden. Außerdem soll nach dem Willen der CDU eine zweite Eisfläche geschaffen werden. Und die Zuschauerkapazität in der Halle am Viadukt soll auf 1500 bis 2000 Plätze erhöht werden. Die Umsetzung könnte über mehrere Jahre erfolgen, so die CDU – wie es eben die Finanzen zulassen.