4. September 2008 | Drucken | Versenden
vergrössern
Thomas Schmidt schwingt sich aufs Rad, um die Strecke für den Literarischen Fahrradweg auszusuchen.
Thomas Schmidt schwingt sich aufs Rad, um die Strecke für den Literarischen Fahrradweg auszusuchen.
Bild: Michael Fuchs
MARBACH

Das Leben großer Dichter er-fahren

Sport und Poesie: Auf diese Kombination setzt Thomas Schmidt, Leiter der Arbeitsstelle literarische Museen und Gedenkstätten in Baden-Württemberg. Pünktlich zum Schillerjahr 2009 soll ein Literatur-Radweg von Marbach über den Hohenasperg nach Ludwigsburg entstehen.

Durch diesen sportlichen Zugang zur Literatur hofft Thomas Schmidt neben ohnehin schon kulturinteressierten Menschen auch jene anzusprechen, die sich seither wenig für Schiller, Schubart oder Mörike begeistert haben. Gut vorstellen kann er sich auch, dass Lehrer das Angebot nutzen und die Radtour in den Unterricht integrieren.
„Um Körper und Geist nicht zu überanstrengen“ führt die Route allerdings nur an einer kleinen Zahl von Museen vorbei und auch die Länge soll für jedermann gut zu bewältigen sein. Vorgesehen ist, vier Museen und einen historischen Ort miteinander zu verbinden.
In Marbach liegt der Schwerpunkt natürlich auf Schiller. Als Ausgangspunkt soll Schillers Geburtshaus dienen. Von dort geht es dann weiter zum Schiller-Nationalmuseum und dem Literaturmuseum der Moderne. In Ludwigsburg können die Radler im Stadtmuseum, wo die berühmten Ludwigsburger Mörike, Vischer, Strauß und Kerner im Mittelpunkt stehen, und auf dem Hohenasperg Halt machen, wo schon literarische Größen wie der Dichter Christian Schubart als Gegner der Aristokratie für seine Überzeugungen einsaß. Insgesamt soll die Rundfahrt zwischen 30 und 40 Kilometer lang sein.
Auf welchen Wegen die Strecke genau verlaufen wird, steht allerdings noch nicht fest. Klar ist, dass bestehende Radwege genutzt werden sollen und die Route unter anderem entlang des Neckars verläuft. Mit dem Auto und auch dem Rad will Thomas Schmidt in den nächsten Wochen die Wege abfahren. Unterstützung bei der Planung erhält er dabei von der Ortsgruppe Marbach des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Zusätzlich zu Wegweisern wird es auch einen handlichen Prospekt geben, den die Ausflügler kostenlos im Literaturmuseum erhalten oder sich im Internet herunterladen können. Neben einer Karte enthält das Heft zu jeder Station die wichtigsten Informationen über die Dichter, genaue Kilometerangaben und eine Beschreibung des Streckenprofils sowie Öffnungszeiten der Museen und Büchertipps.
Auf wichtige historische Orte, die nicht unmittelbar auf der Strecke liegen, gibt es ebenfalls Verweise in der Broschüre. „Dadurch wollen wir zeigen, dass auch abseits der Strecke das Literaturland Baden-Württemberg weitergeht.“ Parallel zu dem Booklet wird ein Heft aus der Reihe „Spuren“, die viermal im Jahr erscheint, zum Thema „Schiller und der Hohenasperg“ veröffentlicht.
„Per Pedal zur Poesie“ geht es bereits von Lauffen über Bönnigheim nach Kirchheim. Der zweite Literatur-Radweg von Langenbrettach über Cleversulzbach nach Weinsberg wird am 13. September eröffnet. Der Radweg von Marbach nach Ludwigsburg soll bis kommenden Juni fertig sein. Zwei weitere Routen rund um den Bodensee sind ebenfalls geplant. Die Idee, die literarische Vielfalt Baden-Württembergs mit dem Rad erfahrbar zu machen, hatte Thomas Schmidt bereits vor zwei Jahren, als er von der Universität Göttingen als Leiter der Arbeitsstelle literarische Museen und Gedenkstätten ins Deutsche Literaturarchiv in Marbach wechselte. Bis Ende kommenden Jahres möchte er von den rund 100 Museen und Gedenkstätten des Landes zwischen 15 und 20 vernetzt haben.

Alexandra Pfeffer
» www.literaturland-bw.de