8. März 2010 | Drucken | Versenden
REMSECK

Diakonie denkt an Fusion

War dies das letzte Jahresfest einer eigenständigen Remsecker Diakoniestation? Seit Jahren bewegt sich die 1976 gegründete Einrichtung finanziell auf sehr dünnem Eis. Gestern bereitete der Vorsitzende, Pfarrer Markus Frasch, Mitglieder und Mitarbeiter schon einmal vorsichtig auf eine Fusion mit Ludwigsburg vor. „Die Idee ist da und es wurden Gespräche geführt. Einen Beschluss gibt es aber noch nicht.“

Sollte es zu einem Zusammenschluss kommen, würde der Übergang „sanft und nicht von heute auf morgen“ gestaltet werden. Jeder solle die Möglichkeiten haben, sich an die bevorstehenden strukturellen Veränderungen zu gewöhnen.
Problemkind ist vor allem die Tagespflege, in der bis zu 15 Menschen tagsüber betreut werden. „Dieses Angebot kann beim besten Willen nicht wirtschaftlich betrieben werden“, so Frasch, der seit einem Jahr im Amt des Vorsitzenden ist. Jährlich, und das seit 1996, musste dieses Angebot mit durchschnittlich 35 000 Euro subventioniert werden. Das hat sämtliche Rücklagen aufgefressen. Frasch: „Wir haben keine Spielräume mehr. Wir leben von der Hand im Mund.“ Das sei „beunruhigend und unbefriedigend“. Dennoch sei das vergangene Jahr ein „gutes“ gewesen, in dem 20 000 Euro Plus geschrieben wurden – das aber auch nur Dank der Zuwendungen von der Geschwister-Wildermuth-Stiftung und dem Pflegedienst-Förderverein, 70 000 Euro kommen von dort. Dennoch: „Wir sind nicht in der Lage, aus eigener Kraft unsere Ausgaben zu bestreiten“, so die dramatische Bilanz Fraschs.
Kündige die Stadt den immer noch gültigen Abmangelvertrag, drohe die Insolvenz und damit die Schließung der Diakoniestation. Daran ändere auch der unermüdliche Einsatz aller Mitarbeiter nichts, denen er allen Respekt zollte. Unter anderem habe Klaus Hägele die Geschäftsführerstelle um die Hälfte auf 50 Prozent reduziert.

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Der Druck und die Unsicherheit, ob und wie lange es die Diakoniestation noch gebe, seien unerträglich geworden. Deshalb habe man das Gespräch mit Ludwigsburg gesucht, wo man auf offene Ohren gestoßen sei. „Ich bin froh, dass sich diese Perspektive finanzieller Garantie und wirtschaftlicher Flexibilität aufgetan hat.“ Damit könnten auch die Existenzängste begraben werden.
Remseck sei kein Einzelfall, so Frasch. Im Gegenteil. Es gebe andere Kommunen, die kaum noch einen Cent mehr für diakonische Einrichtungen ausgeben würden. Aber es sei auch Fakt: Die evangelischen Kirchengemeinden sind nicht in der Lage, dieses Angebot aus eigener Tasche zu finanzieren. Insbesondere bei der Tagespflege, die eigentlich wegen ihres menschlichen Erfolges beibehalten werden müsse. Ob und wie, das bedürfe einer kommunalpolitischen Entscheidung. Bislang hat die Stadt alle eingefahrenen Verluste zu fast 100 Prozent übernommen. Egal wie hoch sie ausgefallen sind. Das waren bis zu 60 000 Euro. Diesen vertraglich gesicherten „Blankoscheck“ will sie loswerden. „Es wird weiterhin Zuschüsse geben“, so Bürgermeister Karl-Heinz Balzer, „aber angesichts der finanziellen Lage nicht mehr in voller Höhe des Abmangels.“
Die ambulante Versorgung in Remseck müsse auf jeden Fall gesichert bleiben. Aber man dürfe die Augen nicht länger vor größeren und wirtschaftlicheren Einheiten und interkommunaler Zusammenarbeit verschließen. Man werde weiter Geld zuschießen, versprach Balzer, gerade weil der Mensch mehr Zuwendung brauche, als zeitlich von den Pflegekassen bezahlt werde.

Thomas Faulhaber

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