LUDWIGSBURG

Die Turngala als ein Teil der Familiengeschichte

Akrobatik und Artistik, Körperbeherrschung und Kraft, Balance und Biegsamkeit: Die Athleten und Künstler der Turngala haben am Montagnachmittag und -abend den Besuchern im jeweils ausverkauften Forum außergewöhnliche Körperkunst demonstriert. Auf der Bühne standen wie immer auch lokale Sportgruppen.

Bei den Autenrieths ist die Turngala ein Teil der Familiengeschichte. Tochter Karin und Sohn Paul sind dabei, solange sie denken können: Als kleine Kinder saßen sie auf dem Schoß der Mutter im Publikum. Jetzt sind Karin und Paul 16 und neun Jahre alt, und am Montagabend pilgerten die Geschwister wie in jedem Jahr ins Forum. Wie immer mit dabei waren Gaby und Alois, die Eltern, sowie Oma und Opa Annelies und Rolf Autenrieth.
„Mir hat die Turngala wie in jedem Jahr sehr gut gefallen“, sagte Mutter Gaby Autenrieth nach der Show. Begeistert war sie vor allem von der Rhönradshow mit Klavierbegleitung: Zur Live-Begleitung von Tristan Kriner am Piano zeigten Claudia Trickes und Kathrin Schad, wie ästhetisch der Rhönradsport ist.
Bildergalerie Turngala im Forum 2012

Trickes und Schad sind Athletinnen des Badischen und des Schwäbischen Turnerbundes, den Veranstaltern der Turngala. Die startete 1987 – und tourt seitdem immer zwischen Weihnachten und der ersten Januarwoche durchs Ländle.
Außer Spitzenturnern und -artisten aus dem In- und Ausland treten je nach Veranstaltungsort auch Kinder- oder Jugendgruppen aus regionalen Sportvereinen auf, die traditionell zu Beginn der Turngala ihr Können zeigen. Im Forum sorgte die Rock-’n’-Roll-Gruppe des MTV Ludwigsburg für einen schwungvollen Auftakt, gefolgt von den Dutzenden Kindern und Jugendlichen des SV Salamander Kornwestheim. Sie repräsentierten das „bodenständige, ehrliche Turnen“, das laut Veranstalter in der Show neben „absoluter Spitzenklasse“ auftritt.
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Einen dieser beeindruckenden Auftritte der Körperkunst legten die rhythmischen Sportgymnastinnen aus dem Nationalmannschaftszentrum Fellbach-Schmiden hin: Die Athletinnen präsentierten ihre Übung, die sie auch bei den Olympischen Spielen in London zeigen werden. „Dieser Auftritt hat mir am besten gefallen“, sagte Karin Autenrieth.
Bruder Pauls Favoriten waren die Breakdance-Weltmeister David Eger-Shabani und Sebastian Jäger, die zusammen mit dem 13-fachen Rhönrad-Weltmeister Robert Maaser auftraten.
Maxim Kriger, der auf einem instabilen Turm das Gleichgewicht hält, der ukrainische Handstandakrobat Sergey Timofeev sowie Trampolinkünstler, Stuttgarter Seilspringer oder chinesische Athleten, die durch kleine Reifen hüpfen – all diese Künstler faszinierten das Publikum in den beiden jeweils ausverkauften Ludwigsburger Veranstaltungen unter der Regie von Harald Stephan. Einen pädagogischen Wert hat die Gala auch: Moderator Michael Branik warb für bewegungsfreundlichere Kommunen.
„Ja, das ist genau das, was wir sehen wollen“, rief während der Show erst ein Zuschauer und später das gesamte Publikum in den riesigen Saal. Der Artistenclown Christoph Engels hatte dazu angestiftet und überhaupt für beste Stimmung gesorgt. Einen Wermutstropfen gab es aber für Familie Autenrieth: Die Scheinwerfer blendeten zum Teil so grell, dass die Bühne nicht mehr zu sehen war.

Wolf-Dieter Retzbach
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