Ganz entspannt sitzt Harald Schmidt im Büro von Akademiechef Thomas Schadt. Der dritte Tag seines Workshops mit Studenten der beiden Akademien für Theater und Film ist vorüber. Gleich kommt der Auftritt im Studio 2 der Filmakademie bei den „Ludwigsburger Begegnungen“. Auch das nimmt er kalt lächelnd.
Es war zuerst der Kontakt mit Hilde Stark, Dozentin an der Theaterakademie, die Harald Schmidt bei der Verleihung des Faust-Theaterpreises in Stuttgart traf und die dann den Kontakt zu Thomas Schadt herstellte. Schnell war die Idee geboren, dass Schmidt seine Erfahrungen den Studenten der beiden Ludwigsburger Akademien weitergeben sollte. Die anfänglichen Bedenken des Mannes aus der Praxis, er habe keinerlei didaktische Erfahrungen, wurden zerstreut durch die Maßgabe, er solle vor allem darüber berichten, wie der Alltag in den Medien heute aussieht. Nachdem er sich der Unterstützung von Hilde Stark versichert hatte, stimmte Schmidt zu und so fand gestern der dritte Tag des auf sieben Einheiten angelegten Seminars statt.
Schmidt erzählt den Studenten, wie es zugeht, wenn die Zeit drängt, wenn innerhalb eines Tages ein Beitrag fertig sein muss. „Da kann man nicht ewig das Licht justieren oder Perücken kleben.“ Vor allem geht es im Seminar um die Praxis. Gerade gestern fand der erste Dreh statt. Schmidt hatte die Aufgabe gestellt, einen „Tatort“ in fünf Minuten auf Film zu bannen. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden, ja sogar ein wenig erstaunt, wie gut sich die Studenten in die Aufgabe hineinknien.
„Natürlich ist das alles kabarettistisch überhöht, da gibt es den Kommissar mit dem drogensüchtigen Sohn, der Mörder verhält sich derart auffällig, dass man sofort weiß, der ist es nicht, aber sonst hat der kleine Film alles, was einen Tatort ausmacht.“
Für Schmidt ist der Kontakt mit den Studenten der Hochschulen auch so etwas wie ein Déjà-vu. „Ich habe mich sofort wieder gefunden, sah mich selbst vor 30 Jahren, als ich auch so ein Student war.“ Er sieht in der Arbeit auch eine Gelegenheit, über seinen eigenen Beruf zu reflektieren. Die Studenten findet er „sehr sympathisch“ und freut sich über deren Unbekümmertheit.
Er will vor allem praktisch arbeiten, das sieht er auch in dieser Konstellation als Stärke. „Ich kann und will hier nicht theoretisieren, ich habe keine pädagogischen Fähigkeiten. Ich bin ein Frontschwein und erzähle davon, wie der Alltag aussieht“, umreißt er seinen Ansatz.