16. März 2010 | Drucken | Versenden
vergrössern
Beengte Verhältnisse: In zwei Schichten machen die Schüler im Friedrich-Fröbel-Kinderhaus Hausaufgaben.
Beengte Verhältnisse: In zwei Schichten machen die Schüler im Friedrich-Fröbel-Kinderhaus Hausaufgaben.
Bild: Alfred Drossel
LUDWIGSBURG

Eltern kämpfen um ihren Schülerhort

Der Schülerhort im Friedrich-Fröbel-Kinderhaus in der Oststadt platzt aus allen Nähten. Derzeit werden dort 25 Schulkinder betreut, nächstes Schuljahr sind acht weitere Plätze nötig. Doch nur zwei Kinder dürfen im Hort aufgenommen werden. Jetzt wollen die Eltern einen Kellerraum umgestalten, um Platz zu schaffen – doch die Stadt lehnt aus baulichen Gründen ab.

Seit vier Jahren beschäftigt sich der Elternbeirat des Evangelischen Friedrich-Fröbel-Kinderhauses mit dem Thema Schülerhort. „Wir haben früh erkannt, dass es eng werden wird“, sagt die langjährige Vorsitzende Frauke
Beeck. Der zehnjährige Sohn der Alleinerziehenden ist seit 2003 in der Einrichtung, sie arbeitet Vollzeit. Für sie ist der Hort eine Notwendigkeit, für ihn „ein zweites Zuhause“. Das gelte für viele: „Hier sind vor allem berufstätige Eltern. Sollen die wieder halbtags arbeiten, wenn ihre Kinder in die Schule gehen?“
Die Rechnung ist einfach: Die Kinder, die ganztags im Kinderhaus betreut werden, benötigen auch während der Grundschule im Normalfall eine ganztägige Betreuung. Die Zahl steht auf Jahre ungefähr fest, weil die Einrichtung keine Grundschulkinder „von außen“ aufnimmt. Eine Kooperation mit dem MTV-Hort macht fünf weitere Plätze möglich – doch für nächstes Schuljahr ist nicht klar, ob der MTV diese nicht selbst benötigt.
Jetzt schlägt der Elternbeirat Alarm: In einem kleinen Raum machen derzeit 25 Schülerkinder in zwei Schichten an Klapptischen ihre Hausaufgaben: von 13 bis 14.30 Uhr und von 14.30 bis 16 Uhr. Zusätzlich räumt Leiterin Carmen Bräunig jeden Mittag Büro und Schreibtisch für drei Kinder, die mehr Ruhe brauchen. Bald wird es noch enger: 14 Kinder aus dem Kindergarten „wachsen nach“, aber es gibt nur sechs Abgänge. Also werden acht weitere Plätze benötigt, aber der Hort hat nur noch zwei Plätze frei.
Eine Lösung könnte nach Ansicht der Eltern die Erweiterung des Kellers sein. Dort ist bereits der etwa 25 Quadratmeter große Turnraum der Einrichtung untergebracht. Und dort gibt es einen weiteren Lagerraum der Stadt, von dem 100 Quadratmeter genutzt werden könnten. Die Eltern, betont Beeck, stünden für tatkräftige Hilfe schon in den Startlöchern. Einen entsprechenden Antrag hatte die Evangelische Kirchenpflege Ende Januar gestellt.

Anzeige
Dieser Weg hätte mehrere Vorteile, argumentieren die Eltern. Momentan werden im Friedrich-Fröbel-Kinderhaus 78 Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren in drei Ganztagsgruppen von 7 bis 17 Uhr und in einer altersgemischten Gruppe betreut. Bis 2012 soll ein Anbau für zehn Kinder unter drei Jahren fertig sein. Mit der Kellererweiterung könnte der Alltag entzerrt werden und ein Ganztagshaus mit vier Gruppen entstehen. Auch dies hat die Kirchenpflege beantragt.
Dem Ausbauplan zumindest hat das städtische Hochbauamt eine Absage erteilt. Aus baulichen Gründen sei eine Umnutzung nicht möglich. Zu geringe Raumhöhe, nicht genug Licht, kein Rettungsweg. Der Raum sei für „einen ständigen Aufenthalt“ nicht geeignet. An diesem Passus stören sich die Eltern: Definiert ist ein ständiger Aufenthalt für eine Zeit ab vier Stunden. „Das brauchen wir gar nicht“, sagt Elternbeirätin Birgit Henneken. Und ein zweiter Rettungsweg sei durchaus vorhanden.
Zynisch finden die Eltern auch, dass der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried kritisierte, es seien zu viele Kinder in der Einrichtung. Weil die Stadt den Schwerpunkt auf die Kleinkindbetreuung legt, ist die Erweiterung bestehender Hortgruppen nicht geplant. Für Bettina Schultes, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, sind solche Argumente „Knüppel zwischen die Beine“. Das Kinderhaus sei sehr beliebt: „Auf dieses Qualitätssiegel und die gute Arbeit müsste man doch stolz sein.“ Frau und Beruf blieben sonst leere Worthülsen: „Heute heißt es nicht mehr ‚Frauen an den Herd‘, sondern ‚Frauen in die Sozialhilfe‘.“ Bereits 1999, als der Kindergarten zum Kinderhaus mit Ganztagsbetreuung und Mittagessen wurde, irrte die Politik. Das Projekt sollte ursprünglich 2002 beendet werden: Heute gibt es drei Ganztagsgruppen und eine Warteliste mit 80 Kindern.
Bei einer Begehung am Freitag haben sich Bürgermeister Seigfried und einige Stadträte ein Bild gemacht. Erstmals habe er die hervorragende Arbeit der Einrichtung gelobt, so Leiterin Bräunig. Und Neues berichtet, erzählt Beeck: Es werde an der Oststadtschule II auf Jahre keinen Ganztagsbetrieb geben. Alle Hortkinder gehen auf diese Grundschule. Die Ganztagsschule aber hatte Seigfried bisher neben Schulwechsel und Tagespflege als Lösung vorgeschlagen.
Morgen um 17 Uhr berät der Ausschuss für Bildung, Sport und Soziales im Rathaus. Er wird diesmal ungewöhnlich viele Zuhörer haben: die Kinderhauseltern samt Nachwuchs.

Janna Werner

Unsere Sonderthemen
gesund & aktiv 2012
Ludwigsburger Gesundheitstage im
Forum am Schlosspark. Samstag und Sonntag.

Bildergalerien
» alle Bildergalerien
Schneeschuh-
wanderung im Allgäu
Schneeschuhtour_Startbild.jpg
Fasching in Neckarweihingen 2012
09_Fasching Neckarweihingen_9.jpg
Zeitung in der Schule
Leben mit der Natur
Leserfotos
Geschichts-Portal
Alles zum Thema ...