14. September 2007 | Drucken | Versenden
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So kennen die Ludwigsburger Albrecht Ade: Als Direktor der Filmakademie.
So kennen die Ludwigsburger Albrecht Ade: Als Direktor der Filmakademie.
Archivbild: Drossel
LUDWIGSBURG

Er spielt immer noch eine große Rolle für den Film

Aus dem Berufsleben hat sich Professor Albrecht Ade zwar schon vor ein paar Jahren verabschiedet. Im Ruhestand ist der ehemalige Direktor der Filmakademie Baden-Württemberg aber keineswegs. Seine Meinung und sein Urteil zu Drehbüchern und Filmen sind gefragt. Heute allerdings spielt er selbst die Hauptrolle. Er feiert seinen 75. Geburtstag.

Es ist Nachmittag, und Albrecht Ade steht vor seinem Haus. Anfang der 70er hatte er das verfallene Gutshaus in Remseck gekauft. Zu Beginn sei nur ein ganz kleiner Teil bewohnbar gewesen, erzählt er. Heute strahlt das Steinhaus Wärme, Schick und mediterranes Flair aus. Sogar in Wohnbüchern finden sich Aufnahmen.
Albrecht Ades Blick geht rüber in den Garten, wo Rosen dem herbstlichen Wetter trotzen. „Ich gehe jeden Tag um 16 Uhr in den Garten“, sagt er. Es mache ihm Freude, die Pflanzen zu pflegen – vorausgesetzt, das Wetter mache mit.
Noch bis vor ein paar Jahren war das nicht möglich. „Da hatte ich einen vollen Terminkalender.“ Heute kann er sich die Zeit frei einteilen. Dazu gehört beispielsweise ein ausgedehntes Frühstück gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin Sibylle Knauss.
Müßiggang ist aber nicht Ades Sache. Vor zwei Jahren hat er den Vorsitz im Förderverein der Filmakademie übernommen. Dieser verleiht jedes Jahr den begehrten Caligari-Preis an Studenten. Zudem ist er Mitglied eines Gremiums der Medien- und Filmgesellschaft, das ebenfalls über Förderprojekte entscheidet. So kommt es, dass Albrecht Ade jedes Jahr 80 bis 90 Drehbücher liest – „von mehr oder weniger Qualität“, wie er meint.
Sein Kontakt zur Filmakademie, deren erster Direktor er war, ist nach wie vor eng. „Ich treffe mich regelmäßig mit Thomas Schadt.“ Die Akademie sei in guten Händen, sagt Ade, der gerne verfolgt, was aus ehemaligen Studenten geworden ist.
Nicht allein deshalb geht er gerne ins Kino. Es interessiert ihn, was läuft. Meist geht er mit seiner Frau, oft mit Freunden. Er wählt Filme gezielt aus, liest Filmkritiken und Fachzeitschriften. Popcorn und Chips kommen ihm aber nicht in die Tüte. „Ich hasse das!“, sagt Ade.
Intellektueller Anspruch und künstlerische Qualität, das sind Eigenschaften, die ihm wichtig sind. Auch damals an der Filmakademie.
Schon als Kind habe er sich für Kunst und Schreiben interessiert. Über eine Lehre zum Schriftsetzer kam er zum Grafik-Studium. Er unterrichtete in Wuppertal an der Werkkunstschule und lehrte an der Stuttgarter Kunstakademie. Ade baute die Studiengruppe Animationsfilm auf und gründete das Internationale Trickfilm-Festival.
Die Kunst spielt nach wie vor eine große Rolle. Albrecht Ade malt. Überall an den Wänden hängen eigene Bilder. Ein Bildband zeigt seine sogenannten Photagen, und für das Institut für Auslandsbeziehungen stellt er derzeit eine Ausstellung über Animations-Filme zusammen.
Und wenn dann noch Zeit übrig ist, setzt er sich gerne aufs Rennrad, verbringt laue Sommerabende mit Freunden im Garten oder greift zum Buch.
Dieses Wochenende ist dafür allerdings keine Zeit. Es wird gefeiert. Mit vielen Gästen und vor allem auch mit den vier Söhnen.

Julia Essich