31. Juli 2010 | Drucken | Versenden
LUDWIGSBURG

Ferienzeit ist für viele Tiere Leidenszeit

Die Sommerferien sind da und viele Familien freuen sich auf Sonne, Meer und Strand. Doch wohin mit Meerschweinchen Schnuffel, Hase Blacky und der Miezekatze Susi? Viele geben ihre Haustiere einfach im Tierheim Ludwigsburg ab. Dieses war in diesem Jahr jedoch vor allem im Kleintierhaus bereits vor der Feriensaison vollkommen überfüllt.

Hasen, Meerschweinchen, Zwergkaninchen, Chinchillas und Vögel – im Kleintierhaus des Tierheims „Franz von Assisi“ in Hoheneck raschelt, fiept und gurrt es. „Wir haben derzeit 80 Kaninchen, 45 Meerschweinchen und 25 Chinchillas, so viele wie noch nie“, sagt Ursula Gericke, die Leiterin des Ludwigsburger Tierheims.
Im Kleintierhaus ist alles voll. „Eigentlich haben wir gar keinen Platz mehr. Und die Tiere einsperren zu müssen, ist auch nicht gut“, erklärt sie. Bei der großen Anzahl an Tieren stoße man inzwischen gerade bei der Sterilisation zunehmend an finanzielle Grenzen.
Natürlich gibt es im Tierheim in Hoheneck auch viele Hunde und Katzen, die abgegeben werden. Allerdings gibt es laut Gericke durchaus Gründe, warum gerade Kaninchen, Chinchillas und Meerschweinchen abgegeben werden: „Es kommt häufiger vor, dass die Tiere, wenn sie in einer Tier- oder Zoohandlung gekauft werden, bereits trächtig sind. Meist sieht man ihnen das auch nicht an.“ Wenige Wochen später folgt dann die große Überraschung, wenn aus zuvor einem Kaninchen über Nacht plötzlich eine Mama mit vier Jungen wird.
Nach Angaben von Experten besteht diese Gefahr besonders bei Meerschweinchen, da die Weibchen bereits im zweiten Lebensmonat geschlechtsreif sein können. In Tierhandlungen, in denen Meerschweinchenfamilien gemeinsam gehalten würden, sei es daher durchaus möglich, dass das „Neugeborene“ bereits vom Vater wieder gedeckt wurde, bevor es verkauft wird.

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„Die vermehren sich wie die Karnickel“, das Sprichwort trifft durchaus zu. Nicht kastrierte oder sterilisierte weibliche Kaninchen können jährlich bis zu 30 Junge zur Welt bringen. Häufig werden die Kleinen erst bei Freunden oder in der Familie verschenkt und irgendwann ins Tierheim gebracht. Sich das Geld für eine Sterilisation oder Kastration zu sparen ist also nicht ratsam.
Gerade während der Ferien, wenn die Leute in Urlaub fahren, werden besonders viele Tiere abgegeben. Die Begründung, dass die Besitzer niemanden gefunden haben, der auf ihr Haustier aufpasst, lässt Gericke nicht gelten: „Wem sein Tier wirklich am Herzen liegt, der bringt es nicht ins Tierheim. Außerdem sind wir keine Pflegestation.“ Möglichkeiten, die Tiere in einer Hundepension, bei Freunden oder Verwandten unterzubringen, gibt es nach Gerickes Ansicht immer. „Für Katzen ist es zum Beispiel besser, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können und jemand sie füttert und die Katzenkiste reinigt.“ Wenn jemand ein Tier vorbeibringt, wird es aber weiterhin aufgenommen.
Auch werde niemandem, der ein Tier im „Franz von Assisi“ abgibt, Vorwürfe gemacht. „Es ist uns lieber, dass die Besitzer die Tiere direkt bei uns abgeben und nicht irgendwo an einem Zaun festbinden oder in einer Kiste vors Tor stellen“, sagt Gericke. Erst kürzlich, so erzählt sie, habe jemand einen Hund am Zaun festgebunden, der sich losgerissen habe und weggelaufen sei. Einem Mitarbeiter des gegenüberliegenden Umspannwerkes sei es dann gelungen, den total verstörten Hund einzufangen.
Doch für einige Tierheimbewohner gibt es auch ein Happy End. „Eines meiner beiden Meerschweinchen ist vor kurzem gestorben und nun bekomme ich wieder ein Zweites“, erzählt ein junges Mädchen strahlend im Kleintierhaus. Und einen Namen hat sie auch schon für den kleinen Nager: „Salz“ soll er heißen, denn „Pfeffer“ wartet bereits zu Hause auf ihn.

Info:
Mehr Informationen zum Tierheim „Franz von Assisi“ in Hoheneck gibt es im Internet (Adresse siehe unten) oder unter Telefon (0 71 41) 25 04 10. Geöffnet ist das Tierheim montags bis mittwochs sowie freitags und samstags jeweils von 14 bis 17 Uhr.

Birgit Kalbacher
» Wie das Herrchen fühlt sich auch der Hund
» Tiere vor der Hitze schützen
» www.tierheim-lb.de

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