17. März 2010 | Drucken | Versenden
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Oberbürgermeister Werner Spec (links), Baubürgermeister Hans Schmid und Umweltministerin Tanja Gönner versuchen sich an den Halterungen in der neuen Radstation am Bahnhof.
Oberbürgermeister Werner Spec (links), Baubürgermeister Hans Schmid und Umweltministerin Tanja Gönner versuchen sich an den Halterungen in der neuen Radstation am Bahnhof.
Bild: Alfred Drossel
LUDWIGSBURG

Frau Gönner schlägt gleich doppelt zu

Ludwigsburg ist um zwei Attraktionen reicher. Gestern wurden das größte Holzheizkraftwerk des Landes und die erste Radstation Baden-Württembergs offiziell eingeweiht. Ein Grund zum Feiern – für die Stadt und Umweltministerin Tanja Gönner.

Um 14 Uhr soll die Einweihung eigentlich beginnen. Es ist kalt. Es nieselt. Vor dem Eingang des Holzheizkraftwerks warten Stadträte, einige Anwohner und Mitarbeiter der Stadtwerke. In der Luft hängt Brandgeruch. Nein – kein verbranntes Holz, es riecht nach Gegrilltem. Der Geruch kommt aus einem weißen Zelt. Drinnen hat ein Catering-Service alles vorbereitet: Pute, Schweinenacken, Würstchen. Wo bleibt die Ministerin?
Um 14.11 Uhr fährt eine silberfarbene Mercedes-S-Klasse auf den Vorplatz des Kraftwerks. Heraus steigt Umweltministerin Tanja Gönner. Eine kleine Frau, fast unscheinbar. An den Füßen trägt sie Turnschuhe. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim, Bodo Skaletz, ergreift das Wort. Ein „einzigartiges Ereignis“ ist diese Einweihung für ihn. Ein Mammutprojekt und mit 16 Millionen Euro die größte Investition der Stadtwerke. „Es ist eine große Ehre für uns, die Einweihung gemeinsam mit Frau Gönner zu feiern“, sagt Skaletz.
Tanja Gönner lobt in ihrer Ansprache Ludwigsburg. „Die Stadt des Blühenden Barock wird jetzt auch klimapolitisch aufblühen“, sagt Gönner. „Sie setzen ein Zeichen für den Umbruch.“ Ludwigsburg sei nun ein Vorbild für ganz Deutschland. Denn in Ludwigsburg werde aktiv gegen den Klimawandel gearbeitet und in neue Schlüsseltechnologien investiert. Damit bleibe das Geld im Land.

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Auch Oberbürgermeister Werner Spec spricht ein paar Worte. Er lässt die langen politischen Diskussionen um das Holzheizkraftwerk Revue passieren. „Politik darf sich von solchen Diskussionen nicht entmutigen lassen. Auch nicht bei starkem Gegenwind.“ Und er dankt Tanja Gönner für ihre Unterstützung: „Wir sind sehr stolz auf Sie.“
Danach erhalten der Oberbürgermeister und die Ministerin eine Führung von Bodo Skaletz durch das neue Kraftwerk. Bis hoch aufs Dach geht es. Trotz des wolkenverhangenen Himmels hat man von dort einen wunderbaren Blick über die Gegend: Kornwestheim, der Hohenasperg, die Dächer Ludwigsburgs.
Um 15.45 Uhr wird die neue Radstation am Bahnhof eingeweiht. Ein weiteres Öko-Prestigeobjekt der Stadt. Jetzt trägt Tanja Gönner Lederschuhe mit Absätzen. Die Einweihung läuft bescheidener ab. Punsch, Glühwein, Cola und Brezeln. Große Reden schwingt hier niemand, obwohl auch dieses Projekt beachtlich ist. Zehn bislang arbeitslose Männer haben in der Radstation Arbeit gefunden. 160 Fahrräder können in der kleinen Halle untergestellt werden. Gemeinsam mit Werner Spec und Baubürgermeister Hans Schmid testet Tanja Gönner die Fahrradhalterungen (unser Bild). Dicht gedrängt und neugierig stehen die Gäste im Vorraum der Radstation und schauen auf Tanja Gönner. Doch es passiert nichts weiter. Keine Rede, kein durchschnittenes Band, nichts. Kurz nach 16 Uhr steigt die Ministerin wieder in den Mercedes. Ihr Chauffeur fährt sie hinaus aus Ludwigsburg. Der Stadt, die nun auch offiziell um zwei Besonderheiten reicher ist.

Christian Walf
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