Ludwigsburg – Die Kunden murren: Das Aus für das Warenhaus Karstadt im Ludwigsburger Marstall-Center passt ihnen gar nicht. Die meisten vermissen das breite Angebot unter einem Dach. Gibt es Einkaufsalternativen in der Innenstadt?, fragen sich viele.
„Das war schon praktisch“, seufzt eine Passantin vor dem Eingang zum Marstall. „Bei Karstadt gab’s Spielwaren, Knöpfe, Reißverschlüsse, Schulhefte, Bettwäsche, Pfannen und Geschirr. Wo finde ich das jetzt?“
„Dieses Sortiment gibt es in der Innenstadt auch im Fachhandel“, sagt Ulrike Hauser, die Innenstadtbeauftragte der Ludwigsburger Einzelhandelsvereinigung Luis. Sie zählt einige Beispiele auf: Kurzwaren bei Wagner; Spielwaren bei Zinthäfner oder Müller; Schreibwaren bei Lotter+ Hutter, i-Punkt oder Müller; Bettwäsche bei Goller; Haushaltswaren bei Lotter.
Das Angebot sei gerade in kleinen Fachgeschäften sogar breiter und auch individueller als bei einem Vollsortimenter wie Karstadt, betont Hauser. Der typische Kaufhauskunde müsse sein Einkaufsverhalten allerdings etwas umstellen. Ihn erwarte dafür aber ein neues und vor allem emotionaleres Einkaufserlebnis.
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„Auch die Einzelhändler bedauern, dass Karstadt nicht mehr als Kundenmagnet in der Innenstadt ist“, erklärt Hauser. Karstadt habe viele Käufer nach Ludwigsburg gelockt. Der Einzelhandel in der Innenstadt rechne zwar damit, dass Verbraucher nach Stuttgart oder ins Breuningerland auf dem Tammerfeld abwandern, er wolle aber diesem Trend entgegenwirken. „Bei Nachfragen oder Kundenwünschen ist der Einzelhandel flexibel“, stellt Hauser fest. Er werde rasch auf geänderte Bedürfnisse reagieren.
Zudem wolle der Handel mit Großaktionen mächtig Flagge zeigen. An drei verkaufsoffenen Sonntagen wie dem Märzklopfen am 21. März oder dem Autofrühling und dem Kastanienbeutelfest zeigten die Geschäfte in der Innenstadt ihr ganzes Potenzial. Auch mit einem Late-Night-Shopping sollen neue Kunden gewonnen werden. Schon in der Vergangenheit habe der Handel mit diesen Veranstaltungen gute Erfahrungen gemacht, erklärte Hauser. Der Einzelhandel in der Innenstadt stehe aber unter Druck. Sorge bereite vor allem das Erweiterungsvorhaben des Breuningerlands. Jetzt habe sich durch die Leerstände im Marstall-Center und die Karstadt-Lücke die Situation verschärft.
Gerhard Beck von der Ludwigsburger Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) teilt diese Einschätzung. Beim Marstall-Center bestehe dringender Handlungsbedarf. „Wenn fünf Jahre ins Land gehen, bevor im Marstall was geschieht, ist diese Ecke für den Verbraucher abgeschrieben“, sagt der GMA-Prokurist. „Da kann sich der Einzelhandel abstrampeln, so viel er will.“ Als gelungenes Beispiel nennt Beck die neue Wilhelmgalerie. Die strahle positiv auf das Umfeld aus.
Auch Reiner Boucsein, stellvertretender Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg, mahnt: „In der unteren Fußgängerzone fehlt ein Anker.“ Diese Lücke müsse rasch geschlossen werden. Der Kunde, vor allem der aus dem Umland, schaue auf die Angebotsvielfalt. Wenn aus dem Angebot ein Baustein rausfalle, leide die Gesamtattraktivität einer Einkaufstadt.