21. Juni 2010 | Drucken | Versenden
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Nach der Kündigung soll im Stadtbad wieder ausschließlich geschwommen werden.
Nach der Kündigung soll im Stadtbad wieder ausschließlich geschwommen werden.
Archivbild: Alfred Drossel
LUDWIGSBURG

Kein Sex mehr im Stadtbad: Bärenbaden fällt ins Wasser

Der LKZ-Bericht über Schwulen-Treff im alten Stadtbad schlägt Wellen und die Stadtwerke reagieren umgehend: Sie stoppen „Sauereien“ und „Schweinkram“. Mit diesen deftigen Worten wirbt ein Schwulen-Club für das sogenannte Bärenbaden im Ludwigsburger Stadtbad.

In unserer Samstagausgabe berichteten wir über das Bärenbaden des Schwulen-Clubs Stuttgarter Bären im historischen Ludwigsburger Stadtbad. Beim Bärenbaden geht es nicht nur um Schwimmen und Saunieren. Auf der Webseite des Clubs heißt es unmissverständlich: „Wir dürfen im Alten Stadtbad alle Sauereien machen.“ Das Stadtbad wird von den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim betrieben, einer städtischen GmbH. Und dessen Geschäftsführer Bodo Skaletz sieht das ganz anders. Von „dürfen“ könne keine Rede sein. Sexuelle Aktivitäten seien in dem Bad, das auch von vielen Schülern benutzt wird, niemals erlaubt worden.
Skaletz wurde am Samstag vom Zeitungsbericht „völlig überrascht“. Von den Bären habe er noch nie etwas gehört und erst recht nicht davon, dass selbige auf ihrer Webseite für „Schweinkram“ im Stadtbad trommeln.
Der Schwulen-Club tritt nicht selbst als Veranstalter des Bärenbadens auf, wie ebenfalls auf der Webseite zu lesen ist. Offiziell ist ein namentlich genannter Privatmann der Veranstalter und dieser hatte schon vor Jahren das Stadtbad für jeden letzten Freitag im Monat angemietet – und zwar für Nacktbaden.
Gelegentliches FKK-Schwimmen ist in öffentlichen Bädern nicht ungewöhnlich. Und so hatten die Stadtwerke auch keine Bedenken, das Bad dafür freizugeben, als der Privatmann danach fragte. Skaletz: „Der Mann war für uns vertrauenswürdig.“ Denn er ist in Ludwigsburg durch seine Vereinstätigkeit kein Unbekannter.

Das Nacktbaden war anfangs noch ein gemischter Treff von FKK-Fans. Skaletz: „Auch eine unserer Mitarbeiterinnen ist da mit ihrem Mann hingegangen.“ Dass sich der Badespaß im Adams- und Evaskostüm dann aber zu einem reinen Schwulentreff inklusive sexueller Aktivitäten entwickelt hat, „war mir bis heute absolut nicht bekannt“, so der Stadtwerke-Geschäftsführer. Es habe auch nie Hinweise gegeben auf den Sextreff oder gar Beschwerden gehagelt. „Und so gingen wir davon aus, dass es da außer Nacktbaden nichts gibt.“
Auf der Webseite der Schwulen hätte er lesen können, dass sich da doch noch mehr abspielt, als hüllenloses Schwimmen. Nun reagierte Skaletz umgehend. Noch am Samstag betonte er im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir werden Konsequenzen ziehen.“ Sprich: „Der Mietvertrag wird fristlos gekündigt.“
Wie berichtet, werben die Bären auf ihrer Webseite dafür, dass zwar alles erlaubt sei im Stadtbad, aber dass peinlichst auf Sauberkeit geachtet werden müsse.
In dieser Hinsicht sind die Bären offenbar tatsächlich sauber geblieben. Und außerdem, so Skaletz, wird das Bad sowieso jeden Samstag der obligatorischen wöchentlichen Generalreinigung mit Hochdruckgeräten unterzogen. Nach dem Wochenende ist montags wieder Schulschwimmen im alten Stadtbad. „Und da sind benutzte Gummis in den Schränken ärgerlich!“ wie es im Internet heißt. Derlei Spuren könnten nämlich zum Verweis aus dem Bade führen: „Schlimmstenfalls dürfen wir dann nicht mehr hin!“
Trotz aller Sauberkeitsappelle haben die Bären aber trotzdem Spuren hinterlassen – und zwar im Internet. Und damit haben sie sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Ihr schlimmster Fall tritt nun ein. Das für den 25. Juni angekündigte Bärenbaden fällt ins Wasser.

Wilfried Hahn