17. März 2010 | Drucken | Versenden
KREIS LUDWIGSBURG

Kein ruhiges Jahr für die Staatsanwaltschaft

Auch wenn die Zahl der Verfahren, die die Staatsanwaltschaft Stuttgart jährlich bearbeitet, leicht zurückgegangen ist, gibt es eine Menge zu tun: Mehr als 100 000 Fälle sind in zwölf Monaten angefallen.

Zwar waren im vergangenen Jahr knapp 177 000 Verfahren bei der Staatsanwaltschaft anhängig, aber als wesentlicher Indikator für die Arbeitsbelastung der 352 Mitarbeiter (davon 142 Oberstaats-, Staats- und Amtsanwälte) zählen die Verfahren gegen namentlich bekannte Beschuldigte: das waren 102 488. „Seit vier Jahren haben wir jeweils mehr als 100 000 solcher Verfahren“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Siegfried Mahler bei der gestern in Stuttgart vorgestellten Jahresbilanz.
Einen deutlichen Rückgang um 38,2 Prozent gab es demnach bei den Sexualdelikten (2008: 2361; 2009: 1460). Wieso das so ist, erklärte Oberstaatsanwältin Marina Schmitt: Das Landeskriminalamt hatte eine Ermittlungsgruppe Internetpornografie eingerichtet, intensiv ermittelt und dann zwischen September und Dezember 2008 mehr als 900 Verfahren vorgelegt. „Deswegen gab es im vergangenen Jahr weniger Eingänge“, sagte Schmitt, 2008 sei ein Hoch gewesen.
Ein leichter Anstieg war bei Verfahren gegen Jugendliche zu verzeichnen, die Fälle sind von 18 207 (2008) auf 18 542 gestiegen.

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Bei den Wirtschaftsstrafsachen gibt es deutliche Rückgänge (von 7502 auf 5077). Dies gelte jedoch nicht für große, komplexe Fälle, wie Oberstaatsanwalt Wolfgang Schmid sagte. Etwa 40 bis 50 große Strafverfahren fallen jährlich wegen Betrugs und Untreue bei Delikten im sogenannten Grauen Kapitalmarkt an.
Wobei Schmid manchmal nur den Kopf darüber schütteln kann, worauf einige Menschen hereinfallen. „Bitte, bitte, auch mal den eigenen Verstand einschalten“, appelliert er.
Es gebe viele Fälle, wo Leute, die Kapital suchten, etwa per Internet Darlehen mit „ganz tollen Versprechungen“ in Aussicht gestellt bekämen. Vorher jedoch müssten sie entsprechende Gebühren bezahlen. „Leute, die hierzulande keinen Kredit bekommen, gehen dann auf solche Angebote ein“, sagte Schmid. Wenn auch nach einem Drei- vierteljahr trotz Gebührenbezahlung kein Kredit eingegangen sei, merkten viele erst, dass sie Betrügern auf den Leim gegangen seien.
Schmid: „Die Menschen sollten endlich mal lernen, dass es nichts für umsonst gibt.“

Dorothee Kauer
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