15. Juli 2010 | Drucken | Versenden
KREIS LUDWIGSBURG

Kornwestheim: Schmerzhafte Einschnitte bei Thermot-Tronik

Stuttgart – (red) Der Kühlerspezialist Behr baut in seinen deutschen Werken 350 Arbeitsplätze ab. Die Produktion für Ölkühler für Pkw und von Großkühlern in Stuttgart mit 220 Beschäftigten wird Ende September geschlossen, teilte das Unternehmen gestern mit. In Kornwestheim sollen 100 der derzeit 370 Arbeitsplätze gestrichen werden, im sächsischen Kirchberg nur 30 der momentan 300. Behr war wegen der Autokrise tief in die roten Zahlen gerutscht.

Bei Behr Thermot-Tronic in Kornwestheim waren ursprünglich 150 Stellen bedroht. Anfang 2008 waren dort noch mehr als 600 Mitarbeiter beschäftigt. Der im Jahre 1955 gegründeten Standort soll sich künftig vor allem auf die Herstellung von elektronischen Kennfeldthermostaten sowie auf die Vorserienproduktion und Stanzerei konzentrieren. Die Produktion konventioneller Thermostate, in der überwiegend Frauen niederer Lohngruppen beschäftigt sind, wird nach Holsoy (Tschechien) und Berga (Thüringen) verlagert. Die von der Kündigung bedrohten Mitarbeiter können für zwölf Monate in eine Transfergesellschaft wechseln. Ein Gewerkschaftsvertreter sowie der Betriebsrat waren gestern für eine kurze Stellungnahme nicht zu erreichen.
Ende November vergangenen Jahres hatte Behr „strukturelle Maßnahmen angekündigt. Die Gewerkschaft organisierte Proteste, auch in Kornwestheim. Das zwischen Unternehmensführung, dem Betriebsrat und der IG Metall vereinbarte Sanierungskonzept sieht zudem vor, dass 4500 Mitarbeiter in Deutschland in den nächsten Jahren finanzielle Einbußen hinnehmen. Sie verzichten auf eine im Tarifvertrag für Dezember vereinbarte Einmalzahlung von 160 Euro. Außerdem wird das Urlaubsgeld in den nächsten fünf Jahren um bis zu 50 Prozent gekürzt. In Kornwestheim wird – ähnlich wie in Mühlacker bereits seit 2008 – das Weihnachtsgeld von 2011 bis 2014 erfolgsabhängig gestaltet.
Zudem gibt Behr bis Mitte 2015 eine Beschäftigungssicherung sowie bis Ende 2015 eine Standortsicherung für die Werke Kornwestheim, Kirchberg, Mühlacker, Vaihingen/Enz, Pforzheim, Neustadt/Donau sowie die Verwaltung und Entwicklung in Stuttgart.

Mit den Maßnahmen sollten „dauerhafte Überkapazitäten reduziert und Kostennachteile, die Behr gegenüber dem Wettbewerb hat, ausgeglichen werden“, teilte der Kühlerspezialist mit. Dies sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Rückkehr in die Gewinnzone. „Diese Einschnitte sind für uns als Unternehmen, aber insbesondere für jeden einzelnen Betroffenen sehr schmerzhaft“, sagte Behr-Chef Markus Flik.
Die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen solle durch Maßnahmen wie Abfindungsvereinbarungen, Umzug auf frei werdende Stellen an anderen Standorten und den Wechsel in eine Transfergesellschaft möglichst gering gehalten werden, teilte das Unternehmen mit. Für 150 Mitarbeiter stünden Arbeitsplätze an anderen Standorten zur Verfügung – davon 35 in der Region Mühlacker und 80 in Neustadt.
Der Autozulieferer hatte 2009 einen Vorsteuerverlust von 235 Millionen Euro eingefahren. Der Umsatz sackte um 26 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro ab. Bereits im vergangenen Jahr hatte Behr in Deutschland 500 Stellen gestrichen, auch im ersten Halbjahr 2010 fielen zahlreiche Arbeitsplätze weg. Insgesamt hat der Kühlerspezialist in Deutschland derzeit noch 4500 Mitarbeiter, im Ausland waren es Ende vergangenen Jahres 10 500 Beschäftigte.