Stuttgart – (red) Der Kühlerspezialist Behr baut in seinen deutschen Werken 350 Arbeitsplätze ab. Die Produktion für Ölkühler für Pkw und von Großkühlern in Stuttgart mit 220 Beschäftigten wird Ende September geschlossen, teilte das Unternehmen gestern mit. In Kornwestheim sollen 100 der derzeit 370 Arbeitsplätze gestrichen werden, im sächsischen Kirchberg nur 30 der momentan 300. Behr war wegen der Autokrise tief in die roten Zahlen gerutscht.
Bei Behr Thermot-Tronic in Kornwestheim waren ursprünglich 150 Stellen bedroht. Anfang 2008 waren dort noch mehr als 600 Mitarbeiter beschäftigt. Der im Jahre 1955 gegründeten Standort soll sich künftig vor allem auf die Herstellung von elektronischen Kennfeldthermostaten sowie auf die Vorserienproduktion und Stanzerei konzentrieren. Die Produktion konventioneller Thermostate, in der überwiegend Frauen niederer Lohngruppen beschäftigt sind, wird nach Holsoy (Tschechien) und Berga (Thüringen) verlagert. Die von der Kündigung bedrohten Mitarbeiter können für zwölf Monate in eine Transfergesellschaft wechseln. Ein Gewerkschaftsvertreter sowie der Betriebsrat waren gestern für eine kurze Stellungnahme nicht zu erreichen.
Ende November vergangenen Jahres hatte Behr „strukturelle Maßnahmen angekündigt. Die Gewerkschaft organisierte Proteste, auch in Kornwestheim. Das zwischen Unternehmensführung, dem Betriebsrat und der IG Metall vereinbarte Sanierungskonzept sieht zudem vor, dass 4500 Mitarbeiter in Deutschland in den nächsten Jahren finanzielle Einbußen hinnehmen. Sie verzichten auf eine im Tarifvertrag für Dezember vereinbarte Einmalzahlung von 160 Euro. Außerdem wird das Urlaubsgeld in den nächsten fünf Jahren um bis zu 50 Prozent gekürzt. In Kornwestheim wird – ähnlich wie in Mühlacker bereits seit 2008 – das Weihnachtsgeld von 2011 bis 2014 erfolgsabhängig gestaltet.
Zudem gibt Behr bis Mitte 2015 eine Beschäftigungssicherung sowie bis Ende 2015 eine Standortsicherung für die Werke Kornwestheim, Kirchberg, Mühlacker, Vaihingen/Enz, Pforzheim, Neustadt/Donau sowie die Verwaltung und Entwicklung in Stuttgart.