Bietigheim-Bissingen – Der Lackieranlagenhersteller Dürr weist 2009 einen Verlust von 26 Millionen aus – nach einem Überschuss im Vorjahr. Nun rechnet das Unternehmen aber mit besseren Geschäften und einem Umsatzplus von sieben Prozent im laufenden Jahr. Dabei setzen die Bietigheimer auf die Wachstumsmärkte Brasilien, Indien und China, wollen aber auch neue Geschäftsfelder etablieren.
Die Zeichen stehen wieder auf Wachstum: Beim Nachsteuerergebnis erwartet das Unternehmen dieses Jahr eine schwarze Null. Ende 2009 lag der Auftragsbestand bei einer Milliarde Euro, womit Dürr rein rechnerisch für elf Monate ausgelastet ist.
Es ist das Auslandsgeschäft, das dem Vorstandsvorsitzenden Ralf Dieter Anlass zu Optimismus gibt: „2009 haben wir den Auftragseingang aus China um 62 Prozent gesteigert“, sagte er auf der Bilanzpressekonferenz gestern. Der Anlagenbauer setzt auf die Wachstumsmärkte China, Indien und Brasilien, weil diese Länder gerade die Produktionen in der Autoindustrie erhöhen. Die Bietigheimer sind dort seit mehr als 20 Jahren tätig. 2009 kam gut die Hälfte aller Aufträge aus diesen Ländern, deren Wirtschaftsleistung bei fünf bis zehn Prozent liegt. Zum Vergleich: In der EU liegt sie nur bei zwei Prozent.
Neben dem angestrebten Wachstum steht das Optimieren der Geschäftsprozesse im Zentrum der Strategie. Hierbei hat Dürr, so Dieter, die Schwellenländer und den Ausbau der Marktführerschaft im Blick: Das Unternehmen will mehr Produkte direkt vor Ort entwickeln und den Belegschaftsanteil dort von 24 auf 30 Prozent steigern. In China sollen bis 2012 alle vier Standorte an einem Campus versammelt werden – ähnlich wie in Bietigheim. Am dortigen Stammsitz sind nach der Zusammenlegung mit dem Standort Zuffenhausen vor zwei Jahren etwa die Hälfte der deutschlandweit knapp 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Während hierzulande keine Jobs wegfallen sollen, will Dieter dies in Frankreich und den USA nicht ausschließen. Im Vorjahr hatte Dürr wegen des Abschwungs in der Autoindustrie die Mitarbeiterzahl konzernweit um sieben Prozent auf gut 5700 reduziert. 2009 hatte Dürr wie bereits berichtet einen Umsatzrückgang um ein Drittel auf knapp 1,1 Milliarden Euro zu verschmerzen. „Nicht nur der Anlagenbau, sondern auch das Servicegeschäft ist eingebrochen“, sagte Finanzvorstand Ralph Heuwing.
Unterm Strich stand ein „verkraftbarer Verlust von 25,7 Millionen Euro“ – nach einem Überschuss von 33,7 Millionen im Vorjahr. Folglich soll die Dividende fürs abgelaufene Jahr gestrichen werden. Trotz der Wirtschaftskrise baute Dürr seine Verschuldung 2009 komplett ab. Erstmals seit elf Jahren habe das Unternehmen einen Finanzmittelüberschuss erwirtschaftet: Die verfügbaren flüssigen Mittel (Cashflow) haben sich auf 95,4 Millionen Euro erhöht, weshalb sich der Betrieb für künftige Investitionen gut aufgestellt sieht.