1. Juli 2010 | Drucken | Versenden
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Unterstützung für die Schüler: Assistentin Petra Theurer im Unterricht an der Justinus-Kerner-Schule.
Unterstützung für die Schüler: Assistentin Petra Theurer im Unterricht an der Justinus-Kerner-Schule.
Bild: Michael Fuchs
LUDWIGSBURG

Lehrer-Assistenten: das Pflänzchen wächst

Dass Lehrer von Assistenten unterstützt werden, ist in Ludwigsburg zwar noch die Ausnahme, aber nicht neu. Neu ist allerdings, dass Hochschulabsolventen vor Eintritt ins Berufsleben für zwei Jahre an Brennpunktschulen arbeiten können. Auch Baden-Württemberg beteiligt sich nun an einem Pilotprojekt nach amerikanischem Vorbild.

Frischgebackene Akademiker als Assistenten: Das Land geht beim Unterricht an Hauptschulen neue Wege. Am Dienstag hat Kultusministerin Marion Schick die Zusammenarbeit mit der Bildungsinitiative „Teach First“ (Unterrichte zuerst) bekanntgegeben. Zu Beginn des kommenden Schuljahres werden im Land 16 pädagogische Assistenten an Haupt- und Werkrealschulen eingesetzt, darunter jeweils einer in Ludwigsburg und Bietigheim.
Die Assistenten werden von „Teach First“ ausgewählt. Sie sollen für zwei Jahre Lehrer bei ihrer Arbeit unterstützen. Und, sie sollen den Kindern als Vorbild dienen. Da an Haupt- und Werkrealschulen der Anteil von Migranten besonders hoch ist, soll gezielt nach Studenten mit Migrationshintergrund gesucht werden. „Dann ist die Vorbildfunktion noch größer“, sagt Verena Köstner, Sprecherin von „Teach First“.
Weniger wichtig sei hingegen das Studienfach. Entlohnt wird die Arbeit mit einem Bruttogehalt von 1750 Euro – finanziert vom Land. Neben dem Lohn verspricht die Organisation den Assistenten reichlich Erfahrungen, vergleichbar mit einem „guten Management- und Führungstraining.“
Fest steht bereits, dass die Hirschbergschule einen Assistenten aus der neuen Bildungsinitiative bekommt. Bislang hatte die Schule sich vergeblich bemüht, einen Assistenten aus einem seit 2008 laufenden Landesprogramm zu bekommen. „Einmal haben wir keinen geeigneten Bewerber gefunden, das andere Mal ist unser Kandidat abgesprungen“, sagt Rektor Georg Fazekas. Von der nun zugeteilten Assistentin erwartet er eine wertvolle Unterstützung und eine besondere Förderung der Schüler.
Insgesamt profitieren schon jetzt 24 Hauptschulen im Kreis Ludwigsburg von dem Landesprogramm. 28 Assistenten sind im Einsatz. Sie teilen sich knapp 13 Stellen.
Petra Theurer ist seit Februar 2008 Assistentin an der Justinus-Kerner-Hauptschule. Sie hat Pädagogik studiert, aber nie als Lehrerin gearbeitet. 20 Stunden pro Woche ist sie in Teilzeit an der Kerner-Schule beschäftigt. Sie setzt sich mit Schülern, die Probleme haben, in Kleingruppen zusammen, oder auch mal einzeln. Manchmal ist sie im Unterricht dabei und achtet auf die Schüler, die spezielle Lernschwierigkeiten haben. Und Petra Theurer begleitet Schulausflüge und Lerngänge.

„Wenn ich im Unterricht dabei bin, dann ist die Situation für alle entspannter“, sagt Theurer. Von ihren Lehrerkollegen fühlt sie sich voll akzeptiert. Ihr Einsatzgebiet sind die fünften und sechsten Klassen. Assistenten bräuchte man ihrer Meinung nach dort und an anderen Schulen noch viel mehr. Denn „Arbeit und Probleme gibt es genug.“
Für die Kinder will sie ein fester Ansprechpartner sein. „Die kommen auch mal mit Problemen zu mir.“ Und wenn einer im Unterricht anfängt, zu heulen, dann geht sie raus mit ihm. „Die Schüler haben akzeptiert, dass noch jemand da ist.“
Bislang laufen die Verträge für die Assistenten des Landes nur für zwei Jahre. Theurer wurde der Vertrag schon einmal verlängert. Auf lange Sicht hofft sie auf eine Festanstellung.
Auch die Oststadtschule I (Hauptschule) bemüht sich mittlerweile um Unterstützung vom Land. Bislang war das Kollegium dort eher zurückhaltend, erklärt Rektor Otto Lechner. Der Grund: Die Lehrer fürchteten, dass wegen der Assistenten reguläre Stellen gestrichen werden könnten. Das hat sich bislang nicht bewahrheitet.
Doch auch heute noch sieht Lechner das Thema mit gemischten Gefühlen: „Die Assistenten dürfen nicht eigenverantwortlich unterrichten und sind nicht wirklich gut bezahlt“, sagt er. Aus Gesprächen mit Kollegen weiß Lechner auch, dass es unterschiedliche Erfahrungen mit den Assistenten gibt. „Da muss schon die Chemie zwischen allen beteiligten Personen stimmen.“
Die Landesregierung setzt derweil weiter auf das Assistenten-Modell. Beide Varianten – das eigene Programm und „Teach First“ – gelten nach Informationen des Kultusministeriums als ausbaufähige Pilotprojekte. Und auch einige Grundschulen sollen ab kommendem Herbst Assistenten bekommen. „Knapp acht Stellen stehen uns zur Verfügung. Derzeit sind wir mit den Grundschulen im Landkreis im Gespräch“, erklärt Gabriele Traub, Leiterin des staatlichen Schulamts in Ludwigsburg.

Christian Walf
» „Teach First“ – ein Modell aus Amerika