Dankbarkeit und Respekt
Unser Lebensstil braucht, wie wir wissen, viel Energie. Mit Freude lese ich in den Leserbriefen zur geplanten Windkraftanlage in Ingersheim, dass die Verfasser für erneuerbare Energie eintreten. Da empfinde ich ein Miteinander und ich sehe, dass Menschen gemeinsam die Verantwortung für die Herstellung von Energie übernehmen wollen.
Es gibt dafür viele Möglichkeiten, wie Sonnenkollektoren, Biomasse, Wasserkraft, Geothermie und Windkraft. Je mehr wir davon einsetzen und nutzen, desto besser für die Umwelt und das Klima und damit für unsere Gesundheit und die unserer Nachkommen. Ich bin dankbar, dass wir in Ingersheim die Möglichkeit haben, eine Anlage zur nachhaltigen Energiegewinnung bauen zu können.
Die bisherige Vorgehensweise der Windkraftinitiative habe ich als sehr sachlich empfunden. Immer wieder wurde die Effektivität überprüft, der Standort, die Folgen für die Menschen und die Natur. Und dabei wurde festgestellt, dass dieser Standort nach den gültigen Vorschriften geeignet ist.
Wertzuschätzen sind meiner Ansicht nach diejenigen, auf die – zugunsten von uns allen und unseren Nachkommen – neben dem Anblick des Windrades auch einige Stunden bewegten Schattens im Jahr zukommen können. Sie verdienen aus meiner Sicht Respekt und Dankbarkeit. Sobald das Windrad steht und die Flügel sich drehen, werde ich mich an dem Anblick erfreuen in der Gewissheit, dass gerade auf nachhaltige Weise Energie entsteht. Ich bin dankbar, dass ich meinen Beitrag leisten und meine Verantwortung für meinen Energieverbrauch ein Stück weit übernehmen kann. Ich bin bereit, dafür ein verändertes Landschaftsbild in Kauf zu nehmen.
Dorothea Ziesenhenne-Harr, Ingersheim
Verdummung und Falschinformation
Die emotionale Diskussion um das Ingersheimer Windkraftwerk entwickelt sich vonseiten der Gegner zur Verdummungsaktion der Bevölkerung. Dazu zähle ich das wirre Flugblatt von „Gegenwind“ und die beiden Leserbriefe „Dornröschenschlaf“ und „Windkraft erhöht den Strompreis“. Hier werden die Menschen, die das Thema Energie weniger intensiv verfolgen, mit falschen Informationen verschreckt.
Nach meiner Beobachtung liegt Ingersheim nicht im Windschatten des Schwarzwaldes. Deshalb frage ich mich, wie die erwähnte Studie in diesem Zusammenhang weiterhilft und warum der Vorrangstandort von Herrn Boetz in Frage gestellt wird. So ist auch die Frage nach der Moral in diesem Zusammenhang eher fragwürdig. Es geht um eigene Interessen. Die heißen: Windrad ja, aber nicht bei uns.
Absurd wird es, wenn man die Behauptungen des Herrn Theobald liest. Er schreibt unter anderem „Wer Windräder baut, verlängert die Laufzeit von Atomkraftwerken“ und spricht von „Propagandistischer Lüge der Windindustrie“. Dieses Vokabular hat etwas Extremistisches. Diesem Herrn empfehle ich, sich mit dem Thema erneuerbare Energien mit Offenheit und ohne ideologische Brille etwas näher auseinanderzusetzen. Dann wird er erkennen, dass Windkraft den Strompreis senkt, dass Geothermie, Wasser und Biomasse ganz nett sind, aber eben auch Grenzen und Nachteile haben. Trotzdem werden wir künftig auf jede dieser Möglichkeiten angewiesen sein. Auch auf ein Windrad, wie es in Ingersheim geplant ist – obwohl es nicht jedem gefällt. Weil Öl, Kohle und Uran immer knapper und deshalb teuer werden. Und weil uns „der Russe“ womöglich den Gashahn zu dreht, weil Russland das Gas selber braucht. Damit uns das nicht schrecken muss, entwickelte das Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) ein Verfahren, mit dem sich Erdgas aus Windstrom erzeugen lässt.
Der Ausbau der Windkraft ist beschlossene Sache, weil Windstrom eine preiswerte erneuerbare Energie ist und bis 2050 wahrscheinlich ein Drittel unseres Bedarfs stellen wird.
Michael Schieber, Freiberg
Im Verbund unschlagbar
Die LKZ hat im Wesentlichen ganz sachlich berichtet. Ganz anders geht es in vielen Leserbriefen der Gegner zu. Es wird behauptet, der Standort in Ingersheim sei ungeeignet, das Windangebot zu gering. Tatsache ist, der „Grüne Heiner“ in Weilimdorf liefert seit zehn Jahren durchschnittlich 700 000 Kilowattstunden Strom jährlich für zirka 700 Menschen. Die Anlage ist damit wirtschaftlich und alle 76 Gesellschafter sind zufrieden.
Eine einjährige Messung in Ingersheim und zwei zertifizierte Gutachter bestätigen, dass der Ingersheimer Standort ähnlich zu bewerten ist wie der „Grüne Heiner“. Mit der geplanten Maschine werden zirka vier Millionen Kilowattstunden prognostiziert. Das entspricht etwa 60 Prozent des Referenzstandorts an der Küste. Somit ist trotz der bescheidenen gesetzlichen Vergütung von 9,6 Cent/kWh ein wirtschaftlicher Betrieb möglich.
Zum Thema Artenvielfalt: Alle von den Genehmigungsbehörden geforderten Gutachten sind erbracht. Hier von „bestellten“ Gutachten zu reden ist kindisch. Glaubt man denn, dass die Genehmigungsbehörde auf gezinkte Gutachten hereinfällt? Im Übrigen ist bekannt, dass die herkömmliche Energie maßgeblich am Artensterben beteiligt ist, weshalb ja die erneuerbaren Energien so hoch im Kurs sind. Die ständig zitierten Ersatzkraftwerke für Windstille und mangelnde Solarstrahlung sind nichts Neues; vor allem Atomkraftwerke brauchen riesige Ersatzkraftwerke, damit die Lichter nicht ausgehen, wenn ein Störfall eintritt.
Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie ergänzen sich auch in dieser Hinsicht recht gut. Wenn die Sonne wenig scheint, gibt es meistens Wind und umgekehrt. Die drei verbleibenden Energien sind grundlastfähig und im Verbund sind die fünf unschlagbar.
Neckarwestheim und Biblis müssten auf Dauer am Netz bleiben, um Windflauten zu decken, behauptet einer. Der Herr sei daran erinnert, dass Neckarwestheim aus politischen Gründen bei 25 Prozent seiner Leistung gehalten wird und dass die Pannenreaktoren Krümmel und Brunsbüttel immer wieder monate- oder gar jahrelang vom Netz genommen werden müssen und keiner merkt’s.
Es beißt die Maus keinen Faden ab: Je mehr erneuerbare Energien ans Netz kommen, umso mehr müssen/können konventionelle gedrosselt und vom Netz genommen werden.
Und wenn die erneuerbaren Energien verhindert werden, dann gehen die konventionellen über kurz oder lang trotzdem aus, alleine wegen der Endlichkeit der fossilen und atomaren Energieträger.
Heinrich Blasenbrei-Wurtz, Besigheim, Mitglied der Windkraft Ingersheim
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