13. März 2010 | Drucken | Versenden
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Auf dem Rasen Konkurrenten um den Ball, außerhalb des Stadions wird um Trainingsplätze und Fördergelder gerungen. Im Bild links ein Spieler des Türkischen Kultur- und Sportzentrums Ludwigsburg bei einem Verbandsspiel.
Auf dem Rasen Konkurrenten um den Ball, außerhalb des Stadions wird um Trainingsplätze und Fördergelder gerungen. Im Bild links ein Spieler des Türkischen Kultur- und Sportzentrums Ludwigsburg bei einem Verbandsspiel.
Archivbild: Carthrin Müller
LUDWIGSBURG

Migranten für Sportclubs überlebenswichtig

Schon heute kommen 30 bis 40 Prozent der Jugendlichen aus Einwandererfamilien. Tendenz steigend. Was neben Kommunalpolitikern auch nachwuchsorientierte Sportvereine aufhorchen lässt. Ludwigsburger Vereine sollen sich stärker für Migranten öffnen und auf ihre Bedürfnisse einstellen, empfiehlt deshalb der neue Sportentwicklungsplan der Stadt. Dies auch mit Blick auf das Integrationspotenzial, das der Sport bietet. Die große Frage ist das Wie.

Zwar spielen und trainieren schon heute viele Ludwigsburger ausländischer Herkunft in den verschiedensten Sparten der Ludwigsburger Sportvereine. In Grünbühl und Pflugfelden sind zum Beispiel schon 80 Prozent der Jugendfußballer Migranten.
Gerade im Fußball haben sich aber auch Gräben entwickelt: Da haben Migranten fünf eigene, erfolgreiche Sportvereine gegründet. Drei davon sind türkische Vereine, wo aber mittlerweile auch Migranten anderer Nationalitäten und Deutsche spielen.
„Viele muslimische Jungen wechseln im Alter zwischen 16 und 18 Jahren von deutschen in diese Vereine“, hat Reinhardt Weiss, Vorsitzender des Stadtverbands für Sport, kürzlich dem Integrationsbeirat des Gemeinderats berichtet. In diesen Vereinen sprechen sie ihre Muttersprache, muslimische Bräuche werden beachtet – Ramadan statt Weihnachtsfeiern und niemals Schweinefleisch auf den Tellern. „Zu mir kommen muslimische Eltern, die erklären, dass sie ihre Kinder in keinen Verein lassen, wo die Trainer rauchen und Alkohol trinken“, hat ein Migrantenberater dem Integrationsbeirat erklärt.

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Drei dieser Vereine drängen jetzt auf eine gleichberechtigte Aufnahme in den Stadtverband für Sport (siehe Interview unten). Dabei geht es vor allem um Trainings- und damit um Entwicklungsmöglichkeiten. Während die Stadt den Verbandsvereinen Fußballplätze zur Verfügung stellt, können die Migrantenvereine nur als Gäste bei deutschen Vereinen trainieren – wann diese eben Kapazitäten frei haben. Für Jugendarbeit in den Migrantenvereinen reicht das nicht. Ohne diese bleibt ihnen laut Satzung aber wiederum die Aufnahme in den Stadtverband verwehrt. Und damit nicht zuletzt auch der Zugang zu 500 000 Euro Zuschussbudget, die sich die bislang 43 Mitglieder des Verbands teilen.
Mehr Mitglieder sollten es nach dem Willen von Stadtverband und Stadtverwaltung aber auch nicht werden. Schon seit langem versuchen beide, auch deutsche Vereine zu Fusionen und Kooperationen zu ermuntern. Mit wenig Erfolg. Nun wird eine Lösung für die Neubewerber gesucht.
Der Sportentwicklungsplan soll die Vereine zudem ermuntern, sich mit der Frage zu befassen, wie sie Migranten noch besser einbeziehen können. Und zwar in allen Sportarten – und im eigenen Interesse. Denn: „Die Sportler, Trainer, Funktionäre und Jugendlichen werden nicht mehr“, so Weiss. Wie erhalten Trainer und Übungsleiter mehr interkulturelle Kompetenzen? Welche Sportarten sprechen welche Mi- granten besonders an? Wie kann man muslimische Mädchen für den Sport gewinnen? Es gibt unendlich viel zu klären. Entscheidend ist da laut Weiss „aufeinander zuzugehen, um die Wünsche, Bedürfnisse und gegenseitigen Erwartungen auszuloten“.
Info: Der Sportentwicklungsplan wird am Mittwoch, 17. März, ab 17 Uhr im Ausschuss für Bildung, Sport und Soziales im Rathaus öffentlich vorgestellt.

Annette de Cerqueira
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