Sexueller Missbrauch von Kindern macht auch vor Sportvereinen nicht Halt. Zwar ist in Ludwigsburg kein Fall bekannt, aber der Gefahr müssen sich alle bewusst sein. Der MTV Ludwigsburg hat jetzt eine Präventionsoffensive gestartet.
In den vergangenen Tagen haben alle Mitarbeiter im Kinder- und Jugendbereich des MTV Post bekommen, egal ob hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig. Inhalt: Ein Leitbild für den MTV, überschrieben mit „Schutz des Kindeswohls vor Gewalt und Missbrauch im Sport“.
Die Vereinsführung hat dieses Leitbild in den vergangenen Wochen formuliert, auf der Basis von Empfehlungen verschiedener Landesverbände und Beratungsstellen. „Wir betreuen über 2000 Kinder und Jugendliche und tragen deshalb eine besondere Verantwortung. Wir müssen unsere Mitarbeiter sensibel für dieses Thema machen“, sagt der MTV-Vorsitzende Dr. Ingo Schwytz.
Ein Kernsatz des Leitbilds, das der Verein in neun Grundsätze gegossen hat: „Wir respektieren das Recht von Kindern und Jugendlichen auf körperliche Unversehrtheit und wenden keinerlei Form von Gewalt an, sei es physischer, psychischer oder sexueller Art.“
Ein wesentliches Ziel der Offensive: Der Verein will nach innen wie außen klar signalisieren, dass man in seinen Reihen über das Thema spricht. „Denn wer schweigt und verdrängt, der erhöht das Risiko, dass sich Täter einnisten. Wir wollen das jetzt bewusst offen angehen und damit Täter abschrecken“, so Schwytz.
Der Verein kann seinen Mitarbeitern und Mitgliedern eine eigene ausgebildete Vertrauensperson anbieten: Sibylle Grimmeisen, ausgebildete Präventionsfachkraft im Bereich Gewalt und sexueller Missbrauch (siehe auch Interview). Den Mitgliedern wird aber auch eine externe Anlaufstelle ans Herz gelegt: die Beratungsstelle Silberdistel, die für den Landkreis Ludwigsburg Kinder, Jugendliche und Angehörige bei Missbrauch berät.
Der MTV selbst will bei einem Verdachtsfall keine internen Lösungen suchen, sondern die staatlichen Stellen hinzuziehen. MTV-Geschäftsführerin Michaela Huppertz: „Wir werden uns dann uneingeschränkt vor die betroffenen Familien stellen.“ Umgekehrt werde man sich bei falschen Verdächtigungen die eigenen Mitarbeiter schützen.
Vereinschef Schwytz: „Wir begeben uns hier auf ein sehr sensibles Feld. Wir wollen keine Hysterie verbreiten, auch keinen Generalverdacht in die Welt setzen. Dafür gibt es überhaupt keinen Anlass. Aber wir müssen das Thema angehen.“ Im Oktober findet beim MTV für alle Übungsleiter ein Workshop zur Offensive und dem Leitbild statt, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten“, kündigt die Geschäftsführerin Michaela Huppertz an. Für die Mitglieder gibt es eine Information in der nächsten Ausgabe des Vereinsmagazins.