15. März 2010 | Drucken | Versenden
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Pickepackevoll war die SKV-Halle bei der Bürgerversammlung über die heftig umstrittene Windkraftanlage. Trotz aller Emotionen verlief die Debatte sachlich.
Pickepackevoll war die SKV-Halle bei der Bürgerversammlung über die heftig umstrittene Windkraftanlage. Trotz aller Emotionen verlief die Debatte sachlich.
Bild: Holm Wolschendorf
INGERSHEIM

Sachliche Debatte statt Emotionen im Windrad-Streit

Statt des erwarteten starken Gegenwinds ein laues Lüftchen: Die Bürgerversammlung in der dicht besetzten SKV-Halle zur geplanten Windkraftanlage verlief in unerwartet sachlicher Atmosphäre. Der Appell von Bürgermeister Volker Godel zum Auftakt hatte Wirkung gezeigt.

Gegner und Befürworter des zwischen Lerchenhof und den Birkenhöfen geplanten Windrades befinden sich über Kreuz. Der Streit wird über Leserbriefe geführt, auch persönliche Anschuldigungen und Unterstellungen gehören dazu. Ein brisantes Thema, das für einen fast überfüllten Saal sorgte, wo anfangs Polizisten über das Geschehen wachten.
Bürgermeister Volker Godel, der zu der Bürgerversammlung eingeladen hatte, um umfassend zu informieren, rief zu Sachlichkeit auf. Er habe Verständnis für Emotionen. Das rechtfertige aber nicht den bisherigen Stil der Auseinandersetzung, mahnte der Schultes.
Die Fakten: Auf einem vom Verband Region Stuttgart ausgesuchten Vorranggebiet ist – wie berichtet – ein 138 Meter hohes Windrad mit einem Rotordurchmesser von 82 Metern geplant, das 1400 Haushalte mit Strom versorgen soll. Der Bauantrag soll demnächst im Gemeinderat gestellt werden, dann wird das Vorhaben vom Landratsamt immissionsschutzrechtlich geprüft. Überdies werden Träger öffentlicher Belange und Bürger angehört. Dann kann auch die Nachbarstadt Besigheim, wo sich die Bewohner des Husarenhofes gegen das Projekt stellen, ihren Standpunkt darlegen.

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Godel wehrte sich vor allem gegen den Vorwurf, hier sei nicht mit offenen Karten gespielt worden. Die Region habe den Standort für eine Windkraftanlage festgelegt – wenn das Vorhaben dem Baurecht entspreche, müsse die Gemeinde ihr Einvernehmen erteilen. Zum Thema Bürgerentscheid machte der Schultes deutlich: Ein solches Begehren sei unzulässig, da die Gemeinde gar nicht entscheiden dürfe, ob eine solche Anlage komme oder nicht, sie werde nur im Rahmen des Baurechts angehört. Auf den Vorwurf eines Gegners, der Bürgermeister als Windkraftbefürworter dürfe eine solche Versammlung gar nicht leiten, weil er befangen sei, meinte Godel, auch er habe das Recht auf eine Meinung.
Die Bewohner des Husarenhofes stören sich vor allem an der Höhe der Anlage. Als einer meinte, dass das Windrad ihm Angst mache, konterte Hanne Hallmann von der Windkraftinitiative unter Applaus: Ihr gehe es so beim Atommeiler in Neckarwestheim. Mit Schattenwurf, Lärm und Infraschall argumentierten die Gegner, wobei sie auf die ausstehenden Prüfungen verwiesen wurden.
Einer von ihnen ist ein direkt Betroffener, Klaus Zeltwanger. Er bangt um die Gesundheit seiner Familie. Ihn stört der Schattenwurf. Maximal eine halbe Stunde am Tag darf der bewegte Schatten auf sein Haus fallen. Zeltwanger ist das zu viel. Das halte man nicht aus, er habe es in einem Windpark ausprobiert. Wie Dieter Hallmann von der Windkraftinitiative gegenüber unserer Zeitung betonte, sei man im Gespräch mit Zeltwanger. Es werde eine einvernehmliche Lösung angestrebt. Notfalls schalte man das Windrad bei Extrembedingungen ab. Die Initiative wehrte sich auch gegen den Vorwurf, der Landwirt, der den Acker zur Verfügung stellt, verdiene sich damit eine goldene Nase.
Es fanden sich auch viele Befürworter der Anlage, die Interesse an der Beteiligung an einer noch zu gründenden Windkraftgenossenschaft zeigten. Sie komme aus dem Ruhrgebiet, habe lange mit Kohlenstaub in der Luft gelebt und sei stolz, dass ihr Wohnort nun diesen Weg gehe, sagte eine Ingersheimerin. Ein anderer meinte: „Lieber 100 Windräder als ein Atomkraftwerk.“

Angelika Baumeister

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