19. Juni 2010 | Drucken | Versenden
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Im alten Stadtbad an der Alleenstraße trifft sich der Schwulenclub Stuttgarter Bären. Laut eigener Webseite zu „Schweinkram“ und „Sauereien.“
Im alten Stadtbad an der Alleenstraße trifft sich der Schwulenclub Stuttgarter Bären. Laut eigener Webseite zu „Schweinkram“ und „Sauereien.“
Archivbild: Alfred Drossel
LUDWIGSBURG

Saubere Sauerei: Im Stadtbad sind die schwulen Bären los

Das alte Stadtbad an der Alleenstraße wird von vielen Schülern zum Schwimmunterricht besucht. Darf man dort Sauereien machen? Oder präziser gefragt: Darf Mann dort Sauereien machen? Antwort: Ja, Mann darf! Wenn er keine Spuren hinterlässt. Womit schon klar ist, dass es nicht um Schüler geht, die ins Becken pinkeln. Sondern um Sex. Um Sex zwischen Männern.

Nein, das über 100 Jahre alte Stadtbad an der Alleenstraße ist nicht umfunktioniert worden zu einem Spaßbad für Schwule. Auf der städtischen Webseite heißt es zwar: „In unserem historischen Stadtbad ist immer Warmbadetag“, aber das bezieht sich ausschließlich auf die Wassertemperatur von 30 Grad. Nur am letzten Freitag im Monat wird’s schwulheiß. Seit sechs Jahren schon ist dann Bärenbaden angesagt. Inklusive „Sauereien,“ wie es in der Bärensprache heißt.
Bärenbaden – so nennen die Stuttgarter Bären ihr monatliches Freitagabendvergnügen im Ludwigsburger Stadtbad. Selbige Bären haben ihren Namen nicht von ungefähr gewählt. Er passt haargenau für einen Club von schwulen Herrschaften, die ihren Körperpelz nicht abrasieren.
Auf ihrer Webseite www. bears-club-stuttgart.de präsentiert sich ein bärtiger Herr mit üppigem Brust- und Bauchtoupet. Und auf dieser Webseite wird auch geworben für das Bärenbaden in „geschlossener Gesellschaft“. Mit Worten, die keinen Zweifel daran lassen, dass es nicht etwa um die Verbesserung des Kraulstils geht, wenn der Bär los ist im Stadtbad.
Zu lesen ist da weiß auf schwarz: „Geboten werden: der Saunabereich, die Schwimmhalle zum Nackt-Baden, die Empore mit den Umkleiden zum Cruisen und für Schweinkram . . .“
Unter „Schweinkram“ kann sich irgendwie jeder etwas vorstellen. Aber wer in der Schwulenszene nicht so bewandert ist, tut sich vielleicht mit dem englischen Wort „cruisen“ schwer. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia gibt Aufschluss: „Im homosexuellen Diskurs wird es oft als Synonym für den schnellen, anonymen Sex verwendet.“
Die Bären-Webseite geht nicht ins Detail, was bei schwulem Sex unter „Schweinkram“ fällt. Aber Klartext schreibt sie schon: „Wir dürfen im Alten Stadtbad alle Sauereien machen.“ Machen ja, aber nicht hinterlassen. Schwul hin oder her: Schwabe bleibt Schwabe – und der achtet auch bei Sauereien auf Sauberkeit.

Und deswegen wird den Bären noch Folgendes ans Herz gelegt: „WICHTIG ist jedoch, dass Ihr Eure Spuren wieder beseitigt: Sperma auf dem Boden kurz wegwischen und Gummis in die Mülleimer.“ Weil am Montag „dann gleich wieder Schulschwimmen ist und da sind benutzte Gummis in den Schränken ärgerlich!“.
Und falls es einer immer noch nicht kapiert hat oder als Zugereister mit der schwäbischen Sauberkeitsmentalität nicht so vertraut ist, endet die Werbung fürs Bärenbaden mit dem Schlusswort: „Also, nochmal der Appell: Benehmt Euch ruhig wie in Eurem Schlafzimmer – aber ohne Spuren!“
Denn andernfalls, so die Befürchtung, könnte Schluss sein mit dem Sex im Stadtbad: „Schlimmstenfalls dürfen wir dann nicht mehr hin!“
Die Angst der Bären vor dem Rauswurf scheint sich positiv auf ihr Reinemachen nach dem Sex auszuwirken. Jedenfalls haben die Bären das historische Stadtbad „immer picobello hinterlassen“. Das sagt Karin Wächter, die bei den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH für Bäder zuständig ist.
Moralische Bedenken gibt es nicht. „Das ist eine private Veranstaltung. Und es sind ja alles erwachsene Menschen, die da reingehen. Minderjährige dürfen natürlich nicht rein.“
Und was bringt das Bärenbaden der städtischen GmbH? Nicht viel. Das Stadtbad wird für 50 Euro pro Stunde vermietet.
Aber immerhin wird Ludwigsburg weithin bekanntgemacht. Bärenbaden-Termine sind auf vielen Schwulen-Webseiten zu finden.

Wilfried Hahn
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