Die Feuerwehr hatte zwei Nächte lange gearbeitet, jetzt ist der Schnee gut isoliert und verpackt. Die Gemeinde beteiligt sich an einer landesweiten Aktion eines Radiosenders. Gesucht wird der schönste Weihnachtsmarkt, und das schon drei Monate vor dem großen Fest. Im Ort fragt sich allerdings so mancher, ob es in der Gemeinde keine anderen Probleme gebe.
Es ist eine sogenannte Win-Win-Situation: Der Radiosender und die Gemeinde können für ihre Sache kräftig die Werbetrommel rühren. Beide profitieren von der Aktion am heutigen Samstag. Vor dem Tammer Rathaus wird ein großer Weihnachtsmarkt organisiert, an dem sich rund zehn Vereine und Kirchen sowie viele Privatleute beteiligen. Die eigentliche Herausforderung ist der fast neun Meter große Schneemann, aus Kunstschnee. Zwei Nächte hat die Tammer Feuerwehr daran gearbeitet. Jetzt ist die Arbeit vollbracht und das Schneegebilde harrt seiner heutigen Enthüllung.
Doch die Spaßaktion hat in der Gemeinde nicht nur Freunde. Im Internet laufen böse Äußerungen zu dem Thema. Und auch im Ort wird über den vorgezogenen Weihnachtsmarkt gelästert. Das alles kann Roland Zeller gar nicht verstehen. „Der Radiosender ist auf uns zu gekommen. Als die Vereine dann gesagt haben, sie wollen bei der Aktion mitmachen, und die Feuerwehr sich des Schneemanns annehmen wollte, haben wir zugesagt“, erklärt der Bürgermeister. Er will den Weihnachtsmarkt auch nicht nur als Spaßaktion verstanden wissen. Roland Zeller weist auf den karitativen Aspekt hinter der Sache hin.
Der Erlös aus dem vorweihnachtlichen Spektakel soll einem Aids-Projekt in Afrika zugute kommen. Denn gestern war die Gruppe Samasesu aus Tansania zu Gast im Ort. Die Musiker betreiben Aids-Aufklärung auf dem Land und sind zurzeit in Deutschland, um Geld zu sammeln. In Tamm wird ihnen geholfen, denn alle Vereine wollen zumindest einen Teil ihres Erlöses an die Gruppe abgeben.
Und auch der Schneemann sei nicht auf Betreiben der Gemeinde entstanden. „Die Feuerwehr will an dem Objekt üben und versteht das als große Herausforderung“, so der Bürgermeister. Lediglich einen Laster Kunstschnee habe die Gemeinde zu dem Projekt beigetragen. Dieser Betrag von rund 1000 Euro sei gut angelegt. Zeller: „Jetzt weiß man im Land, wo Tamm liegt. Und das ist gut so.“