17. März 2010 | Drucken | Versenden
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Nachdem es zuletzt durch Kabalen und hitzige Wortgefechte in die Schlagzeilen geraten war, soll das Deutsche Literaturarchiv nun wieder zum beschaulichen Ort stiller Philologie werden.
Nachdem es zuletzt durch Kabalen und hitzige Wortgefechte in die Schlagzeilen geraten war, soll das Deutsche Literaturarchiv nun wieder zum beschaulichen Ort stiller Philologie werden.
Archivbild: Alfred Drossel
MARBACH

Streitschlichter auf der Schillerhöhe

Seine Forderung nach einer Satzungsreform hatte die Konflikte erst ausgelöst. Doch jetzt soll ausgerechnet der Wissenschaftsrat den heillosen Streit auf der Schillerhöhe schlichten. Dies teilt DSG-Präsident Manfred Erhardt in einem Brief an die rund 4000 Mitglieder der Deutschen Schillergesellschaft mit.

Das baden-württembergische Staatsministerium und der Kulturstaatsminister im Berliner Kanzleramt hätten sich darauf verständigt, den Wissenschaftsrat zum zweiten Mal nach 2007 nach Marbach zu bitten, um sich vom Stand der Umsetzung seiner damaligen Empfehlungen zu überzeugen, lässt Erhardt die DSG-Mitglieder wissen. Bis dahin solle die Debatte um die neue Vereinssatzung ausgesetzt werden.
Bis vor kurzem hatte Erhardt dem Wissenschaftsrat alsbald Vollzug melden und dazu den bisherigen Satzungsentwurf – der von einer Mitgliederversammlung im November wie berichtet abgelehnt worden war – im Mai in einer überarbeiteten Fassung von der ordentlichen Hauptversammlung doch noch absegnen lassen wollen. Andernfalls, sagte der DSG-Präsident vorher, könnten Bund und Land den auf öffentliche Zuwendungen angewiesenen Marbacher Literaturinstituten den Geldhahn abdrehen.
Stattdessen legten Wissenschaftsrat und Politik Erhardt nun aber offenbar nahe, bei der ordentlichen Mitgliederversammlung am 8. Mai keine erneute Niederlage zu riskieren. Denn bei einem abermaligen Debakel wären vermutlich sowohl der frühere Berliner Wissenschaftssenator Erhardt selbst als auch DSG-Direktor Ulrich Raulff nicht mehr zu halten gewesen. Schließlich läuft die vom Wissenschaftsrat geforderte Satzungsreform vor allem auf eine Stärkung der Position Raulffs hinaus – die zum Unmut vieler Mitglieder im nun ausgesetzten Satzungsentwurf aber mit einer weitgehenden Entmachtung des altehrwürdigen Trägervereins der Museen und Archive auf der Schillerhöhe verbunden wurde.

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In seinem Rundbrief signalisiert der bisher wenig diplomatisch vorgehende Erhardt seinen Kritikern nun auch erstmals eine gewisse Kompromissbereitschaft. „Ein Innehalten und Nachdenken“ sei geboten, schreibt der Präsident und bietet den DSG-Mitgliedern abschließend an, „mit einigem Abstand und mit Augenmaß gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten“.
Die „Irritationen“, die Manfred Erhardt im Wissenschaftsrat ebenso wie in der Politik und im Freundeskreis des Deutschen Literaturarchivs ausgemacht hat, könnten indessen nicht nur mit den Satzungsquerelen zusammenhängen: Noch ist die Finanzierung des 8,2 Millionen Euro teuren Suhrkamp-Archivs ungewiss. Zwar sei die erste von drei Tranchen durch die zugesagten 1,5 Millionen Euro der Landesstiftung gesichert, sagte Erhardt unserer Zeitung gestern. Doch um die verbleibende Lücke von mehreren Millionen zu schließen, bedürfe der Verein unverändert der Hilfe des Bundes sowie weiterer Stiftungen und Sponsoren.
„Bei einer Jahrhundert-Erwerbung muss man aber auch mutig sein“, so Erhardt. Tatsächlich scheint seine Hoffnung, dass sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann nach einer Schamfrist doch noch bewegt, gewachsen zu sein. Und auch Südwest-Wissenschaftsminister Peter Frankenberg ließ den Asperger Landtagsabgeordneten Jürgen Walter jetzt wissen, dass er mit dem Bund „im Gespräch“ bleiben wolle.

Steffen Pross

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