Seine Forderung nach einer Satzungsreform hatte die Konflikte erst ausgelöst. Doch jetzt soll ausgerechnet der Wissenschaftsrat den heillosen Streit auf der Schillerhöhe schlichten. Dies teilt DSG-Präsident Manfred Erhardt in einem Brief an die rund 4000 Mitglieder der Deutschen Schillergesellschaft mit.
Das baden-württembergische Staatsministerium und der Kulturstaatsminister im Berliner Kanzleramt hätten sich darauf verständigt, den Wissenschaftsrat zum zweiten Mal nach 2007 nach Marbach zu bitten, um sich vom Stand der Umsetzung seiner damaligen Empfehlungen zu überzeugen, lässt Erhardt die DSG-Mitglieder wissen. Bis dahin solle die Debatte um die neue Vereinssatzung ausgesetzt werden.
Bis vor kurzem hatte Erhardt dem Wissenschaftsrat alsbald Vollzug melden und dazu den bisherigen Satzungsentwurf – der von einer Mitgliederversammlung im November wie berichtet abgelehnt worden war – im Mai in einer überarbeiteten Fassung von der ordentlichen Hauptversammlung doch noch absegnen lassen wollen. Andernfalls, sagte der DSG-Präsident vorher, könnten Bund und Land den auf öffentliche Zuwendungen angewiesenen Marbacher Literaturinstituten den Geldhahn abdrehen.
Stattdessen legten Wissenschaftsrat und Politik Erhardt nun aber offenbar nahe, bei der ordentlichen Mitgliederversammlung am 8. Mai keine erneute Niederlage zu riskieren. Denn bei einem abermaligen Debakel wären vermutlich sowohl der frühere Berliner Wissenschaftssenator Erhardt selbst als auch DSG-Direktor Ulrich Raulff nicht mehr zu halten gewesen. Schließlich läuft die vom Wissenschaftsrat geforderte Satzungsreform vor allem auf eine Stärkung der Position Raulffs hinaus – die zum Unmut vieler Mitglieder im nun ausgesetzten Satzungsentwurf aber mit einer weitgehenden Entmachtung des altehrwürdigen Trägervereins der Museen und Archive auf der Schillerhöhe verbunden wurde.