Offenheit und Transparenz mahnen auch die Laienvertreter der katholischen Kirche wie Diözesan- oder Kirchengemeinderäte an. Während einige an den offiziellen Richtlinien der Kirche festhalten, fordern andere eine kritische Reflexion über die Sexualmoral.
„Die ganze Geschichte nimmt mir den Atem“, sagt die frühere Diözesanrätin Dorothea Nafz aus Hemmingen. Die „verklemmte Sexualmoral“ der katholischen Kirche müsse auf den Prüfstand, mit einer Entschuldigung und den Verweis auf die Verjährungsfrist sei es nicht getan. „Ich bin über die sexuelle Gewalt genauso entsetzt wie über die körperliche Züchtigung in Internaten“, sagt Nafz, die selbst auf einem war. Der Zölibat ist für sie nur eine Ursache für den Skandal, mehr allerdings dafür, dass der Kirche viele gute Männer als Priester verloren gehen.
Sie erwartet sich nicht nur lapidare Worte, sondern ein Überdenken des „elitären Denkens der Kirche“ und des Sexualitätsbegriffs – von Homosexualität über Schwangerschaftsabbrüche bis hin zu unehelichen Priesterkindern. Besonders nimmt sie der Kirche übel, dass diese sich anmaße, zu wissen, was für den Menschen gut ist, das eigene Gewissen funktioniere schließlich sehr gut. „Es wird sich etwas bewegen, das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen“, ist sie überzeugt.
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Diözesanrat Rainer Breimaier dagegen glaubt nicht an ein Umdenken. „Ich bin seit 1986 Diözesanrat. In der ganzen Zeit hat sich nicht wirklich etwas geändert.“ Die Abschaffung des Pflichtzölibats ist eine Forderung, allerdings sei dieses Thema in diesem Zusammenhang schwer zu diskutieren. Auf jeden Fall müsse die Kirche das Thema offen und transparent angehen. „Es geht nicht, dass der Papst sich über Wochen nicht äußert. Mehr als wohlklingende Formeln werden von ihm aber nicht kommen“, sagt Breimaier. Dennoch würde er sich von der Kirche wünschen, dass sie ihre offiziell geltende Sexualmoral kritisch hinterfragt. „Keiner lebt im Privaten noch nach diesen Vorstellungen.“
Vor einem Schnellschuss in Sachen Zölibat warnt Barbara Layer, frisch gewählte Kirchengemeinderätin aus Großbottwar. „Der Papst muss eine klare Linie verfolgen und darf sich nicht dem Zeitgeist unterwerfen.“ Reagieren müsse die Kirche aber. „Man muss offen mit dem Ganzen umgehen. Der Missbrauch ist aber nicht durch die Abschaffung des Zölibats zu bekämpfen.“
Keine Notwendigkeit, etwas zu ändern, sieht Dieter Schmid, Diözesanrat aus Freiberg. Man müsse den Vorfällen nachgehen und entsprechende Schritte einleiten. Die Diözese Stuttgart-Rottenburg habe aber ihre Hausaufgaben gemacht, indem seit 2002 jeder Hinweis auf Missbrauch verfolgt und untersucht werde. Es seien Einzelne, die zu verurteilen seien, aber man dürfe nicht die ganze Kirche anprangern.