Ludwigsburg – Ob in Münster, Braunschweig, Leutkirch oder in Ludwigsburg – überall in der Republik machen seit Monaten Anleger ihrem Ärger über insolvenzgefährdete DG-Immobilienfonds Luft. Gestern protestierten auch Geschädigte bei der Volksbank-Filiale am Arsenalplatz.
„Uns reicht’s jetzt“, schimpfte Claus Bäuerle aus Mundelsheim. Er ist Vorsitzender des Vereins Geschädigter Genossenschaftlicher Immobilienfonds, in dem bundesweit 1200 von über 20 000 betroffenen Anlegern organisiert sind. Mit anderen Mitstreitern aus dem Kreis Ludwigsburg will er künftig bei weiteren Protestaktionen auf das Verhalten der Volksbank Ludwigsburg, die eine Entschädigung ablehnt, aufmerksam machen. Und er will vor dem Oberlandesgericht Stuttgart um Schadensersatz kämpfen. „Wir wollen Anlegern, gerade auch älteren, die sich nicht an die Öffentlichkeit trauen, Mut machen“, sagte der 49-jährige selbstständige Marketingfachmann zu der öffentlichen Aktion.
Bäuerle hat 1994 – wie über 20 000 andere Anleger in den Neunzigerjahren auch – Geld in einen DG-Anlage-Fonds investiert – „50 000 Mark, die ich für die Altersvorsorge eingesetzt habe“. Wie andere Geldinstitute damals auch, legte in dieser Zeit die Zentralbank der Genossenschaftsbanken, die DG-Bank (heute DZ-Bank) geschlossene Immobilienfonds in Ostdeutschland auf und vertrieb sie über ihren Volks- und Raiffeisenbankenverbund. Doch nicht alle liefen erfolgreich. Dazu gehört auch Bäuerles DG-Immobilien-Anlage Nr. 34, einer von einem Dutzend heute notleidenden Fonds aus dieser Zeit. „Sie sind nichts mehr wert und werfen auch seit Jahren keine Rendite mehr ab.“ Das Kapitalvolumen dieser Papiere soll zwischen 300 und 600 Millionen Euro liegen.
Bäuerle fühlt sich wie auch andere Anleger falsch beraten, zumal damals schon Probleme bekannt waren. Ebenso vermisst er seit zwei Jahren von der Volksbank Ludwigsburg eine klare Aussage, ob sein Fonds vor dem Verkauf geprüft wurde – denn damals hatte der Branchenfachdienst Kapitalmarkt Intern genau vor diesem Produkt gewarnt: „Der Prospekt enthält nicht sämtliche Informationen, die für eine umfassende wirtschaftliche Beurteilung erforderlich sind“, lautete das Fazit. Und der bald nach dem Fondsverkauf eingebrochene Immobilienmarkt in den neuen Ländern gab dieser fragilen Konstruktion – auch durch Mietverluste – den Rest.
Volksbank-Pressesprecher Klaus Gemm sagte gestern auf Anfrage, dass bei jeder Geldanlage „sowohl über Chancen als auch Risiken“ informiert werde. Und Kunden, die sich an geschlossenen Immobilienfonds beteiligten, hätten bewusst Chancen gesucht und in Form von Steuerersparnissen und Ausschüttungen realisiert. Sie seien die mit den Chancen verbundenen Risiken ebenso bewusst eingegangen. Die heute kritisierten DG-Anlage-Fonds seien nur an wenige Volksbank-Kunden gegangen, ergänzte Gemm. „Und weniger als eine Handvoll Kunden seien in den vergangenen sechs Monaten auf uns zugekommen.“ Er betonte weiter, dass die Informationen in den Verkaufsprospekten bisher richterlichen Überprüfungen standhielten. Daher sehe die Volksbank keine Basis für eine Kulanzregelung – wie auch schon „die Mehrheit aller Genossenschaftsbanken“. Claus Bäuerle will das nicht gelten lassen, zumal es Banken gebe, die schon 20 Prozent und mehr des eingesetzten Kapitals an geschädigte Kunden zurückgezahlt hätten. Und auch die DZ-Bank habe 2007 ihren Mitgliedsbanken Lösungsvorschläge unterbreitet. Doch gebe es Urteile, wie etwa vom Oberlandesgericht Stuttgart, die Anlegern Schadensersatz zusprachen. Darauf gründet die Hoffnung von Bäuerle und seinen Mitstreitern: „Wir werden so lange prozessieren, bis eine einvernehmliche Lösung gefunden ist.“