8. März 2010 | Drucken | Versenden
LUDWIGSBURG

Weiterhin nötig: Das Frauenhaus als Zuflucht vor prügelnden Männern

Wenn der Mann brutal zuschlägt oder seine Familie bedroht, sind Frauenhäuser für die Opfer oft der letzte Zufluchtsort. Dort können sie mit ihren Kindern nicht nur eine Zeit lang wohnen, sie bekommen auch seelische Unterstützung und praktische Hilfe beim Weg in die Unabhängigkeit. Wenn denn ein Platz frei ist.

„15 Plätze für die 520 000 Einwohner des Landkreises Ludwigsburg sind eine extrem dünne Versorgung“, erklärt die Leiterin des einzigen Ludwigsburger Hauses, Adelheid Herrmann vom Trägerverein Frauen für Frauen.
So empfiehlt der Europarat einen Frauenhausplatz pro 7500 Einwohner. Eine Zahl, die in Deutschland aber einzig in Bremen erreicht und sogar noch überschritten wird. Doch schon der Blick in den Kreis Esslingen, der nach Einwohnerzahl und -struktur gerne mit Ludwigsburg verglichen wird, wo es aber drei Frauenhäuser gibt, zeigt den Unterschied.
Zwar bietet auch der Platzverweis, der prügelnde Männer für eine gewisse Zeit von ihren Opfern fernhält, inzwischen vielen Gewalt ausgesetzten Frauen die Chance, lediglich mit Hilfe der Interventionsstelle des Vereins Frauen für Frauen ihr Leben in sicherere Bahnen zu lenken. Dass es trotzdem noch immer zu viele misshandelte Frauen und Kinder gibt, die den Schutz des Frauenhauses brauchen, zeigen die Zahlen (siehe Kasten).
Geändert hat sich im Lauf der Jahre allerdings die Klientel: Waren anfangs, vor knapp 30 Jahren, Frauen aus allen Schichten zu betreuen, sind es inzwischen überwiegend Hartz IV- und Sozialhilfe-Empfängerinnen. Sie bekommen den dafür nötigen Tagessatz aus öffentlicher Hand bezahlt.

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Weil für alle anderen Frauen weder Bund, Land oder Kommune Zuschüsse leisten, müssen diese die in Ludwigsburg geforderten – und im Vergleich zu anderen Häusern sehr günstigen – 7,70 Euro pro Nacht und Nase aus der eigenen Tasche bezahlen. Was zum Beispiel für Studentinnen, Auszubildende oder Asylbewerberinnen schwierig sein kann.
„Manche Frauen melden sich nicht aufgrund dieser Kostenfrage“, weiß Herrmann. Dabei ist das Budget des Hauses schon so berechnet, dass die Kosten für die Betreuung und Beratung dieser „Selbstzahlerinnen“ der Verein Frauen für Frauen stemmt. Keine befriedigende Lösung. „Wir fordern deshalb schon lange eine bundeseinheitlich oder wenigstens landeseinheitlich geregelte Finanzierung der Frauenhäuser“, so Herrmann. Bislang vergeblich.
Schon werden kritische Stimmen laut: So fordert zum Beispiel der bekannte Bremer Soziologe Gerhard Amendt den Ersatz von Frauenhäusern durch Einrichtungen, die der Gewalt in Familien in allen ihren Erscheinungsformen erfolgreich begegnen können.
Auch der Verein Frauen für Frauen hält es für sinnvoll, bei familiärer Gewalt allen Opfern und auch den Tätern Hilfen anzubieten, geht bislang aber einen anderen Weg: Die Frauen finden im Frauenhaus und bei der Interventionsstelle umfassenden Unterstützungsangebote. Von häuslicher Gewalt traumatisierte Kinder erfahren ambulante Hilfe und Betreuung im Projekt „Kinder im Zentrum“ (KiZ) des Vereins. Und mit den Tätern arbeiten in Ludwigsburg Partnerorganisationen wie zum Beispiel Caritas und Sozialberatung.
Infos im Internet unter www.frauenfuerfrauen-lb.de

Annette de Cerqueira

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