13. Januar 2010 | Drucken | Versenden
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Wortgewaltig: Thilo Sarrazin im Forum.
Wortgewaltig: Thilo Sarrazin im Forum.
Bild: Wolschendorf

Wie Thilo Sarrazin die Deutschen vereinigte

(wa) – Diesem Mann ist einiges zuzutrauen. Seine Wortgewalt ist ja längst bekannt. Doch dass Thilo Sarrazin nach eigener Auskunft 1989 praktisch alleine die Währungsreform in der DDR einleitete, dürfte den meisten neu sein.

Thilo Sarrazin hat zu vielen Dingen etwas zu sagen. Selbst bei einem Landkreistag ist er daher ein gern gebuchter Redner. Zumal der Ex-Finanzsenator von Berlin und derzeitige Vorstand der Bundesbank mit seinen Kommentaren zu „übelriechenden Beamten“, „faulen Hartz-IV-Empfängern“ und „unproduktiven Ausländern“ viel Staub aufgewirbelt hat.
Bis auf die Beamten blieben in seinen Erinnerungen zur Wende aber alle verschont. 1989 arbeitete Sarrazin im Finanzministerium. Als Beamter habe er brav Vermerke abgeheftet, als plötzlich die Mauer bröckelte. Das Finanzministerium sei dadurch schlagartig mit der Frage nach einer Währungsreform in der DDR konfrontiert worden. Nur – wer geht das an. Bei Beamten gelte ja: „Kommt etwas Neues, dann ist niemand zuständig.“
Also habe er das Ganze in die Hand genommen. Nachdem er sich ins Thema eingearbeitet habe, sei er zu dem Schluss gekommen: Am besten ist ein Wechselkurs von 1:1, also eine DM für eine Ostmark. Sein Bericht wurde nach oben weitergeleitet, dann habe er nichts mehr davon gehört – „das kennen Sie ja von Beamten“, so Sarrazin. Monate später wurde seinem Vorschlag aber zugestimmt. Es sei dann zwar die Bundesbank gewesen, die damit nach draußen ging, aber „das habe ich als Beamter akzeptiert“.
Seither denke er oft über sich und seine Rolle in der Geschichte nach, meinte Sarrazin ironisch. Noch heute frage er sich: „Was wäre passiert, wenn ich gar nichts gemacht hätte. Wäre die deutsche Geschichte dann anders verlaufen?“