Ludwigsburg – Mit 20 Unternehmen und etwa 2000 Stellensuchenden hat die Ludwigsburger Zeitarbeitsmesse der Arbeitsagentur in ihrem fünften Jahr einen neuen Besucherrekord erzielt. Der kam aber in erster Linie dadurch zustande, weil die Agentur erstmals Arbeitslose zur Teilnahme verpflichtete.
„Wir haben 1500 Bewerber mit Rechtsfolgen eingeladen“, sagte Thomas Kirsch vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur gestern bei der Messe in der Musikhalle. Das bedeutet, dass Arbeitslosengeldempfänger diesen Termin wahrnehmen müssen, um keine Leistungskürzungen zu riskieren. Gegenüber den Vorjahren hat sich die Besucherzahl damit verdoppelt.
Doch auch von der Resonanz der freiwilligen Besucher zeigte sich Kirsch zufrieden. So hätten auch viele Hartz-IV-Empfänger das Angebot wahrgenommen, sich direkt bei Arbeitgebern zu informieren, welche Möglichkeiten es gibt, über Zeitarbeit wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Die Arbeitsagentur habe bei der Arge Arbeitslosengeld II im Landkreis speziell für die Messe geworben. Als Aussteller waren ausschließlich Unternehmen, die ihren Hauptsitz oder eine Niederlassung im Landkreis Ludwigsburg haben, zugelassen, so Kirsch. Man habe zwar auch auswärtige Bewerber gehabt, wolle aber bei der Messe die regionale Verwurzelung der Unternehmen bewusst beibehalten.
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Die Aussteller zeigten sich mit der halbtägigen Messe durchaus zufrieden. „Wann sonst kommt man mit so vielen Bewerbern in so kurzer Zeit ins Gespräch“, meinte Marcus Pracht von der Ludwigsburger Pracht & Pracht Personal-Consulting GmbH. Und Florian Rudolph, Abteilungsleiter bei Z-Personalmanagement Ludwigsburg, lobte die hohe Qualität der Bewerber bei der Messe. Auch am Stand von Adecco, einem der bundesweit Großen der Personaldienstleister, zeigte man sich mit der Resonanz zufrieden.
Die Zeitarbeitsbranche befindet sich derzeit in einer Phase der Neuorientierung, nachdem sie ebenfalls heftig von der Wirtschaftskrise betroffen war. Nun sei nicht mehr Quantität gefragt, sondern die gezielte Vermittlung von Arbeitskräften mit einem breiten Spektrum an Qualifikationen, erklärte Kirsch. Denn gegenüber den Boomjahren 2007/2008 habe sich die Zahl der Zeitarbeiter im Landkreis Ludwigsburg in etwa halbiert. Die Branche sieht sich aber inzwischen wieder auf dem aufsteigenden Ast, erwartet für 2010 eine deutliche Besserung.
Für Stellensuchende mit der passenden Ausbildung und Berufserfahrung gab es aber schon auf der Messe konkrete Angebote bis fast zum Arbeitsvertrag. Pracht will einen Maler, der sich am Stand vorgestellt hatte, in der kommenden Woche einstellen und hätte noch mehr Bedarf für Maler und Lackierer. Rudolph hat mit fünf bis sechs Metallfacharbeitern auf der Messe gesprochen, „die ich sofort einstellen würde“. Und auch im Pflegebereich gibt es laut Kirsch viel mehr Personalbedarf, als die Arbeitsagentur an die Zeitarbeitsfirmen vermitteln könne.