28. Januar 2012 | Drucken | Versenden
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Martin Schwarz.
Martin Schwarz.
Bild: Holm Wolschendorf
OBERSTENFELD

Zwölf Mann sind zuständig für rund 2950 Fußballfelder Fläche

Rattengift im Kanal auslegen, kaputte Straßenlaternen reparieren oder am Bach das Gras mähen: Die Arbeit des Bauhofs ist vielseitig, findet aber oft im Verborgenen statt. Die LKZ begleitet ein Jahr lang einmal monatlich Bauhofleiter Martin Schwarz und seine Mitarbeiter.

2111 Hektar, also rund 2956 Fußballfelder, groß ist das Gebiet der Gemeinde Oberstenfeld. Damit sind die Bauhofmitarbeiter nicht nur ausgelastet, sondern brauchen Zeit und vor allem Ortskenntnis. „Bis man alle Namen der Flurstücke weiß, muss man eine Weile schaffen“, sagt Martin Schwarz lachend.
Zwölf Vollbeschäftigte arbeiten im Bauhof. Der Jüngste ist 19 und kommt von der Förderschule an der Linde Großbottwar, der Älteste ist 57. Drei Mitarbeiter sind nur halbtags da, darunter zwei Frauen, die den grünen Daumen haben. „Seit sie bei uns sind, sind unsere Blumentröge eine Augenweide“, lobt Schwarz. Auch die Wildblumen auf den Verkehrsteilern ernteten viel Lob. Und dann gibt es noch zwei Rentner, die früher im Bauhof angestellt waren und mit ihrer enormen Ortskenntnis eine große Hilfe sind. „Die kennen wirklich jeden Flurstücksnamen.“ Die Ausbildungsgrundlage ist so vielfältig wie die Arbeit. Elektriker, Landmaschinenmechaniker, Landschaftsgärtner – dementsprechend hat jeder seinen eigenen Themenbereich.
Gearbeitet wird von sieben Uhr morgens bis 12 Uhr mittags und zwar ohne Vesper. „Bei minus sieben Grad kann man aber natürlich nicht fünf Stunden im Bach stehen, so dass manche zum Aufwärmen dazwischen reinkommen.“ Von 13 bis 16.30 Uhr wird mittags gearbeitet, freitags ist der Mittag frei. Die körperliche Arbeit ist anstrengend, auch wenn in Oberstenfeld so viel wie möglich maschinell erledigt wird. „Früher hat man das Bachufer noch mit der Sense gemäht, das war dann was Größeres“, so Schwarz.

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Der Oberstenfelder ist übrigens bereits seit 30 Jahren beim Bauhof, seit 1999 als Leiter. Gelernt hat er Landmaschinenmechaniker, nach eineinhalb Jahren suchte er eigentlich nur für zwei, drei Monate einen Job und wurde beim Bauhof fündig. Es gefiel ihm so gut, dass er blieb. „Im Bauhof ist jeden Tag etwas anderes los. Morgens holt man im Kindergarten einen Stuhl, mittags steht man wegen irgendetwas im Kanal und dann geht es noch auf die Leiter, weil sich ein Ziegel gelöst hat“, beschreibt der 50-Jährige den alltäglichen Wahnsinn. Zwar wird die Wochenarbeit mit der Verwaltung montags besprochen, aber wenn es schneit oder Gefahr im Verzug ist, muss der ganze Plan umgeworfen werden.
Schwarz kennt jeden Winkel, aber auch viele Bürger. „Der Nachteil ist, dass ich auch beim Fleckenfest angesprochen werde, dass es da und dort klemmt, oder die Leute samstags privat vorbeikommen, aber das macht mir nichts aus.“
Der Bauhof ist für vieles zuständig. Obstbäume (einige Hundert) und Hecken (mehrere Kilometer) schneiden, nach Frisch- und Abwasser gucken, Straßenschäden ausbessern, Feldwege freimachen, damit die Bauern fahren können, und Straßenreinigung. „Das Müllproblem hat so zugenommen, dass wir zweimal die Woche den Ortskern saubermachen müssen. Was früher die Coladose war, ist heute der Zwei-Liter-Tetrapack.“ Sportanlagen richten, im Kindergarten etwas reparieren oder auf dem Friedhof nach dem Rechten sehen sowie natürlich der Winterdienst sind weitere Aufgaben.
Dementsprechend groß ist der Fuhrpark: ein großer und ein kleiner Bagger, ein großer und ein kleiner Lastwagen, ein Transporterbus, ein Gehwegräumer, ein mittelgroßer Schneeräumer für die Wohnstraßen und ein großer. Dazu alles, was ein Bauunternehmen hat: von der Rüttelplatte bis zum Kompressor. „Wir graben bei Rohrbrüchen noch selbst.“ Dementsprechend ist auch das Bauhofgelände selbst eine große Fundgrube: Kaum ein Material, das es hier nicht gibt.

Patricia Rapp