29. März 2010 | Drucken | Versenden
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Der Musikverein hat seinem Dirigenten Thomas Stöhr einen brillanten Abschied gegeben.
Der Musikverein hat seinem Dirigenten Thomas Stöhr einen brillanten Abschied gegeben.
Bild: Michael Fuchs
REMSECK

Ein goldener Taktstock und die Ehrenmitgliedschaft zum Abschied

Das war ein rechter Paukenschlag zum Abschied von seinem langjährigen Dirigenten Thomas Stöhr: das Frühjahrskonzert des Musikvereins Aldingen-Stadtkapelle Remseck. Das Spitzenorchester legte „eine Schippe drauf“, als ob es damit danken wollte: „Dazu hast Du uns in den letzten 16 Jahren geformt.“

Das brillante Konzert war ein „Best of“ der vergangenen Jahre. Und die Musiker wuchsen nochmals über sich hinaus. Obwohl das Programm mit Höchstschwierigkeiten gespickt war, klang es für das Publikum nach unerhörter Leichtigkeit. Ein gutes Orchester malt Bilder mit Noten, ein herausragendes Ensemble wie hier dreht ganze Filme aus Melodien, inszeniert Opern.
Inhaltlich gesehen ist Verdis Aroldo eigentlich eine „Schmonzette“, musikalisch aber eine absolute Herausforderung. Nicht anders ist es bei McBeths „Sailors and Whales“. Die weltberühmte Novelle von Melville über Moby Dick, dem Kampf des verbitterten Käpt’n Ahab gegen den weißen Wal als Vorbild für ein opulentes Drama. Es treibt alle, Holz- und Blechbläser, sowie die Percussionisten an ihre Grenzen. Das Ergebnis: schlicht sensationell.
Das homogene Klangvolumen dieses Orchesters ist atemberaubend. Zum Luftholen gab’s auch leichtere Kost, die nicht minder schwer zu spielen ist: ein Arrangement von Benny Goodmans Memories, Disneys Fantasies oder Highlights aus dem Musical Jazz. Potpourris, die die ganze Spielfreude des Ensembles offenbarten. Sie zeigten vollen Einsatz, was bei den Soli mit Zwischenapplaus honoriert wurde.

„Es ist bestimmt nicht immer leicht gewesen, die Musiker zu diesen Höchstleitungen anzuspornen“, meint Oberbürgermeister Karl-Heinz Schlumberger. Persönlicher Anspruch, Engagement und Ehrgeiz hätten den MV zum Aushängeschild der Stadt gemacht. Dem Nachfolger Stöhrs, Peter Pfeiffer, wünschte er eine ähnlich glückliche Hand.
Das ist auch der Stolz, den Stöhr aus Remseck mitnimmt: Er hat das Orchester der höchsten Stufe bei Wertungsspielen immer zur Bestnote geführt. In Pfullendorf ist der 46-jährige Musikdirektor verantwortlich für die Musikschule mit 600 Schülern, er leitet die Stadtmusik, das Jugend- und Kreisverbandsblasorchester, ist Dozent und baut gerade eine Akademie für kreativ-begabte Kinder auf. Auch der Gesundheit wegen möchte er etwas kürzer treten. Rückblickend sagte er, dass er unter anderem die Big- Band-Stilistik in Aldingen eingeführt habe.
Es ist kein leichtes Erbe, das der 32-jährige Peter Pfeiffer aus Steinheim antritt. Der durch die Bundeswehr erprobte Trompeter und Heilbronner Realschullehrer für Musik stammt aus einer durch und durch musikalischen Familie. Noch leitet er die Stadtkapelle-Musikverein Marbach, mit der er letztes Jahr für Furore mit „Beethoven 2009“ sorgte. Seine Handschrift liege im klassischen Bereich der symphonischen Blasmusik, erklärt er. Aber ohne die leichtere Muse komme ein lokal verwurzeltes Ensemble auch nicht aus, verspricht er, das breit angelegte Repertoire beizubehalten.
Mit stehenden Ovationen wurde Thomas Stöhr nach fast 16 Jahren in Remseck verabschiedet. Einige „Gedenksteine“ schwerer, vom Vorsitzenden Ulrich Kniehl zum Ehrenmitglied ernannt und mit einem funkelnd neuen goldenen Taktstock im Gepäck.

Thomas Faulhaber