(red) – Aus der Geschichte des Weinbaus im Mittleren Neckarraum berichtete Dr. Isolde Döbele-Carlesso in einem Vortrag nach der Hauptversammlung des Geschichtsvereins im voll besetzten kleinen Saal des Kronenzentrums.
Die Brackenheimer Stadtarchivarin Isolde Döbele-Carlesso ist eine der besten Kennerinnen der württembergischen Weinbaugeschichte des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Wie sie ausführte, markieren der 30-jährige Krieg und der Pfälzische Erbfolgekrieg Ende des 17. Jahrhunderts im württembergischen Weinbau einen tiefen Einschnitt. Die vorher blühende Weinbaukonjunktur erlitt irreparable Schäden. In Bietigheim wandten sich die Weingärtner deshalb Anfang des 18. Jahrhunderts vom Wein ab und verlegten sich auf die einträglichere Viehzucht. Neben den Kriegsfolgen und klimatischen Problemen sorgte Weinpanscherei für einen großen Imageschaden und damit für Absatzprobleme. Das Glykol des 17. und 18. Jahrhunderts war die gesundheitlich gefährliche Silber- oder Bleiglätte, mit der man die sauren Weine süßte. Es kam sogar zu Todesfällen. Spektakulär war der Fall eines Esslinger Küfers, der wegen Weinverfälschung hingerichtet wurde.
Auch das Steuersystem erwies dem Weinbau einen Bärendienst: Quantität statt Qualität wurde gefördert. Massenträger wie die „Buttschere“ wurden statt der empfindlichen und weniger Ertrag liefernden Qualitätsreben angebaut; die Weinqualität verfiel zusehends. Unrealistische Ertragserwartungen als Besteuerungsgrundlage gaben den Wengertern den Rest. Diese mussten sich schon bei geringen Ernteeinbußen auf die kommende Ernte verschulden und gerieten in Abhängigkeit der Weinhändler.
Der Lemberger, der heute als Krone des Württembergers gilt, kam erst im 19. Jahrhundert aus Österreich ins Ländle. Vorher baute man keine sortenreinen Rot- oder Weißweine an. Üblich war der gemischte Satz, aus dem der „Schillerwein“ entstand.