Die Favoritin auf der großen Reitanlage des RFV Ludwigsburg Monrepos aufzustöbern, ist gar nicht so einfach. Kein Wunder: Die Spanierin Beatriz Ferrer-Salat hat zwei Pferde mit in die Barockstadt gebracht. Da gibt es einiges zu tun.
Im Stall bei ihrem Delgado entdecken wir die 44-Jährige schließlich, die schon mehrere Medaillen bei großen Dressur-Meisterschaften errungen hat. Der neunjährige Westfale ist bereit für den Grand Prix, die routinierte Reiterin hat kein Problem damit, noch ein paar Fragen zu beantworten.
Die ganzen Plaketten – Team-Silber und Einzel-Bronze bei Olympia 2004, Team-Bronze und Einzel-Silber bei der WM 2002, Silber (Mannschaft) und Bronze (Einzel) bei der EM 2003 – „das habe ich ja alles mit Beauvalais gemacht“.
Der Hannovaner, ihr großes Erfolgspferd, „ist jetzt 23 Jahre alt und in Rente“, erzählt Beatriz Ferrer-Salat schmunzelnd, und man darf getrost davon ausgehen, dass es dem alten Herrn im Stall auf dem Anwesen vor den Toren Barcelonas sehr gut geht.
Die Reiterin muss wieder ein neues Paradepferd formen und nach oben bringen. Mit Fabergé, dem Stallgefährten von Delgado, hatte sie großes Pech. Nach der Sehnenverletzung bei den olympischen Spielen in Peking musste Fabergé fast anderthalb Jahre pausieren.
In diesem Jahr feierte der 14-jährige Hannoveraner sein Comeback, doch inzwischen hat ihm Delgado im internen Wettstreit den Rang abgelaufen, wie die Resultate in Ludwigsburg belegen.
Delgado (1422 Punkte) bestätigte seinen Erfolg beim Kurz-Grand-Prix am Samstag vor der Schwedin Juliette Ramel auf Ten Points (1377) und dem Japaner Hiroshi Hoketsu auf Whisper (1374) am Sonntag eindrucksvoll.
Der Grand Prix, bei dem olympische Klasse verlangt wird, ist in der Linienführung noch etwas schwieriger und in der Abfolge von Passagen, Piaffen und Pirouetten schneller. Delgado erfüllt seine Aufgaben erneut zur Zufriedenheit seiner Reiterin.
„Er hat viel Qualität, ist sehr klar im Kopf und nervenstark“, lobt Beatriz Ferrer-Salat (1661 Punkte), die sich diesmal vor Japans Altmeister Hoketsu (1554) durchsetzt. Rang 3 teilt sich die Böblingerin Martina Steisslinger mit Juliette Ramel (je 1516).
Es war erst der dritte Grand Prix, den Delgado gestern am Monrepos bestritt. Mit den erreichten 69,366 bzw. 70,681 Prozent hat Ferrer-Salat die spanische Qualifikationsnorm erfüllt, um internationale Turniere bestreiten zu können. Aber sie weiß auch: „Wir fangen gerade erst an. Wir brauchen noch ein bisschen mehr Erfahrung.“
Ob sie bei der WM im August in Kentucky antreten wird, hängt von zwei Dingen ab. Erstens muss sie einen der vier Plätze in der spanischen Mannschaft erringen, zweitens „muss ich der Meinung sein, dass er reif dazu ist.“
Verheizen im Hexenkessel einer Weltmeisterschaft mit Tausenden von Zuschauern will sie Delgado auf keinen Fall. Geduld sieht sie als ihre erste Pflicht. Irgendwann kommen dann auch wieder die Medaillen.